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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 92

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 92 (sequence 92)
Language
German, English, Hebrew
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Del. Dr. Rosenbaum: Ich hin gegen «lioson Antrag, und zwar aus dem Grunde. wt?il bis jetzt noch sehr wenig zur Sache gesprochen wurde. Man kann daher nicht jene beschranken, die vielleicht erst jetzt etwas zur Sache sprechen werden. Del. Wächter : Ich möchte dem Herrn Vorredner darauf erwidern, dass diese Beschränkung auf fünf Minuten gewissermaßen einen pädagogischen Zweck hat. Es wird die Herren daran hindern, sich zu weit von der Sache zu entfernen. Vicepräs. Dr. Mandelstamm: Wer für unbeschränkte Zeit ist. möge die Hand erheben. (Geschieht.) Die Beschränkung ist abgelehnt. Es kann also jeder so lange sprechen, als er will. Del. Rabbiner Landau: Sehr verehrteCongressmitglieder! Ich lese aus Ihren Mienen, dass Sie fürchten, ich würde auch Ihre sehr kostbare Zeit und Geduld zu sehr in Anspruch nehmen und ich will daher schon in meiner ISinleitung Ihnen die erlösende Botschaft zukommen lassen, dass ich sehr kurz und nach Thunlichkeit zur Sache sprechen werde. (Beifall.) Meine Freunde! In dem Berichte des Actions-Comites hat sich von selbst die Frage aufgerollt : Warum werden nicht die grossen breiten Massen des jüdischen Volkes für den zionistischen Gedanken, der uns alle beseelt, gewonnen? Diese Frage wurde auch gestern in einer anderen Korni von einem geehrten Codegen gestellt. Diese Frage nuiss sich jedem Menschen aufdrängen, wenn er sieht, dass der Zionismus, der eine Rückkehr zum Judenthum bedeutet, dennoch seine grössten Anhänger unter jenen findet, die mit der westlichen Cultur vertraut sind, dagegen bei den orthodoxen Juden nicht die Anerkennung und den Beifall gefunden hat. Wenn wir aber der Sache nachgehen, finden wir diesbezüglich eine genügende Erklärung. Das Aetions- Comite, das doch bei dem heutigen Stande unserer Bewegung und unserer praktischen Ei folge schliesslich als Hauptzweck seiner Bestrebungen die Agitation betrachtet, hat eben nach meiner Ansicht nicht den richtigen Weg gefunden, um den Zionismus in die breiten Volksschichten zu bringen. Es sind zwar manche Herren der orthodoxen Richtung im Actions-Comite. Dieselben haben aber hisnun aus mir unerklärlichen Gründen ihren Standpunkt nicht mit der nöthigen Schärfe im Actions-Comite markieit. so dass von diesen bis heute noch nicht dargethan wurde, was geschehen sollte. Meine Freunde! Die Juden in den östlichen Ländern, hauptsächlich in Russland, Galizien und zum Theile auch in Rumänien haben ihre meiste Zeit nur ein religiös-jüdisches Leben geführt. Ich behaupte, dass jeder Jude eo ipso Zionist ist und es auch sein muss. Die Sache ist nur die, dass die jüdischen Volksmassen bis heute nicht Gelegenheit gehabt haben, sich dieses Gedankens in der Weise bewusst zu sein, wie es in den westlichen Ländern der Fall ist. Es fehlt ihnen die Möglichkeit, sich genau auszudrücken, anderseits sind sie durch das Elend, in dem sie sich behnden, wirklich nicht in der Lage, bloss mit dem Munde Zionist zu sein. Dass sie es aber im Grunde ihres Herzens, in ihren Gefühlen sind, das können Sie versichert sein; aber die Verletzung des religiösen Gefühles, wenn sie auch nur in der zartesten Weise geschieht, ist in der Lage, diese grossen und breiten Massen dem Zionismus abwendig zu machen, d. h. sk* werden nicht aufhören, Zionisten zu sein, sie werden aber aufhören, sich einer bestimmten Organisation anzuschliessen. Der Ausdruck würde vielleicht zu derb sein, ich will ihn aber dennoch gebrauchen: Die Culturfrage ist der rothe Lappen, die Culturfrage in der Form, wie wir sie heute haben, ist abschreckend für die breiten Schichten der heutigen Bevölkerung. Ungeheure Wunden hat die sogenannte westliche Cultur dem Juden-

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