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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 91

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 91 (sequence 91)
Language
German, English, Hebrew
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nach den türkischen Häfen ohne Passvisa aufnehmen durfte, war die Noth aufs höchste gestiegen. Wir machten alle Anstrengungen bei den türkisch«?« Consuln und hei der Gesandsehaft in Bukarest: sogar die rumänische Kegierung intervenierte zugunsten der Unglücklichen! Der Eintritt in die Türkei ist für uns vorläufig verboten. (Hufe : Zur Sache!) Nun kam der St. Georgstag (Wohnungswechsel) und da die Armen ihre Miethe nicht mehr entrichten konnten, wohnten sie unter freiem Himmel, in den -Synagogenhöfen und sogar auf den Friedhofen, zwischen den Gräbern ihrer Theuren. die ihnen im Tode vorangegangen waren. (Wiederholte Rufe: Zur Sache!) -<* Jeder Warendampfer, der nach Antwerpen, Rotterdam, England gieng. nahm mehrere Familien mit. darunter sogar einer H'»o Personen direct nach London. Andererseits giengen sie per Bahn mit jedem Zuge über die Grenze. Ueberall wurden die Habseligkeiten der Armen zu Spottpreisen veräussert, ja verschenkt. Endlich erliess die österreichische. Donau-Dampfschiffahrts-Gesellsehaft die Fahrt Gaiatz—Wien mit i:> Francs per Person, und da ergriff ein wahres Fieber alle Unglücklichen, der Emigrations-BaeiUns! Flutartig strömten aus allen Gegenden Männer, Frauen, Kimler nach Galatz und später auch nach Braila, um nach Wien zu gehen. Liruppen von Fussgängern bildeten sicii überall, die von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort zogen, ausserhalb derselben ihre Zelte aufschlagend. Ks war ein Jammer, diese abgehärmten Gestalten zu sehen! (Stürmische Rufe: Zur Sache!) Meine Herren! Der ganze Congress drehte sich um die rumänischen Juden. Da ist das doch zur Sache. Vors. Dr. Mandelstamm : Herr Pineles, ich muss Sie noch einmal darauf aufmerksam machen, zur Sache zu sprechen. Del. Pineles: Ich Inn gleich fertig. Wie die ersten Emigranten en masse die rumänischen Grenzen überschritten, änderte sich das Bild. Sie wissen, was in Stanisiau vorgefallen..... (Wiederholte Unterbrechungen.) Vors. Dr. Mandelstamm : Feh. werde von verschiedenen Seiten angegangen, Sie nicht fortsetzen zu lassen, da Sie niclit zur Sache sprechen. Vielleicht kommen Sie zum Schlüsse. Del. Pineles: Der Sehluss, meine Herren, ist dieser: ich habe in den vorjährigen Berichten immer gesagt und wiederhole es: es gibt verhälinissmässig zu viele Juden in Rumänien (Oho!), und wir haben immer geglaubt, es werden sich hochherzige Männer rinden, die sich ihrer annehmen, ihnen eine provisorische Heimstätte für kürzere oder längere Zeit zu gewähren, bis wir unsere gesicherte haben werden. Wir wenden uns daher vertrauensvoll an die Juden West-Europas und Amerikas und erinnern sie an die Worte Mardachais an Esther: -,\Ver weiss, ob Ihr nicht deshalb zu Keichtlium, Ehren und Würden gelangt seid, um Euern nothleidenden Brüdern zu helfen?" Wir erinnern Euch an das Bibelwort, wo die zweieinhalb Stämme jenseits des Jordan, die bereits eine gesicherte Heimstätte hatten, den Jordan überschritten mit den Waffen in der Hand, den anderen neuneinhalb Stämmen dazu zu verhelfen zu ihrem Grund und Boden zu kommen. Wir verlangen keine Opfer an Blut und Leben; wir verlangen nur guten Wille.i und die Mittel, damit unsere armen Brüder mit ihren Frauen und Kindern nicht gleich wilden Thieren von Land zu Land gehetzt werden, sieh und den Anderen zu Last. Hier im grossen, freien, reichen England kann mau die Mittel finden, wenn man guten Willen iiat. Wir horten, man wird uns helfen! (Beifall!) Del. Wächter: Ich beantrage, die Redezeit für die Discussion über diesen Punkt auf fünf Minuten zu beschränken.

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