Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 90)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3476254-3476262--1162-3477298- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— \H) — Was ich aber nicht verschweigen kann und hier hervorheben zu müssen glaube, ist die merkwürdig»' Erscheinung, «ia^s in <len Distrieten Cialatz und Praila, und besonders im ersteren, wenn auch die gesetzlichen Bestimmungen nicht geändert werden können, die Behandlung der Juden seitens der Behörden und Autoritäten, vom Prnfecten bis zum niedrigsten Beamten, ich daif es dreist sagen, eine wohlwollende ist, so dass wir in den besten Beziehungen leben, und gottlob keine Crsachen haben, in dieser Hinsicht uns zu beklagen. Bei den letzten Schulprüfungen wurden noch den jüdischen Kindern im Lyeeum die meisten Prämien zugetheilL Wie dies in anderen Städten zugegangen ist, weiss ich nicht; vielleicht hat jeder Distriet die .luden, die er verdient. Dies hat aber nicht verhindert, dass aus (ialatz mit seinen IKooo .luden mein* als Inno ausgewandert sind, weil sie eben seit einem Jahre keine Beschäftigung linden und auf die Unterstützung anderer angewiesen sind, leh verweise nur auf meinen Rapport am l. Congresse. (Unruhe. Hedner wird unterbrochen mit den Kufen: Zur Sache!) Was (iie Auswanderung en masse anbetrifft, war man anfangs in Rumänien und im Auslande der irrigen Meinung, dass der Zionismus diese Emigration begünstigte, unterstützte und dergleichen. Das judenfeindliche, otlieiöse Blatt, die „Epoea"1, das Organ des jetzigen Ministers Herrn Filipescu, griff sogar unseren sehr ehrenwerten Vorsitzenden Herrn Dr. Herzl, Dr. Lippe und mich an, was ich natürlich nicht unbeantwortet lassen durfte und in einem längeren Artikel erwiderte, den die „Epoci" so freundlich war. unparteiisch aufzunehmen. Für das Ausland haben wir dem Bukarester Correspondenteu der ..Frankfurter Zeitung** die Richtigstellung über den Zionismus in Rumänienzu verdanken. Ich kann hiermit der sehr geehrten Versammlung sagen, dass die Emigration en masse seit lange die Köpte der Juden in Rumänien verwirrt. Wir werden es richtig linden, wenn sie nach Palästina wären, in dem Sinne unseres .Programme*; aber nicht nach Armenien, Anatolien, Cypern etc., ohne diese Länder studiert zu haben, ob sie den Verhältnissen unserer Juden angepasst sind, ich habe daher diese Idee in den Jargonblättern in Rumänien schon seit Herbst v. J. bekämpft und alle einilussreit'heu und raisonableu Mensehen aufgefordert, den armen Leuten »Jen Staar von den Augen zu nehmen und sie daran zu hindern. Die loa schrieb mir im Februar d. J.. alles einzusetzen, die Einwanderung nach Cypern zu verhindern : sie sagte aber nicht, wohin man die Juden ja sollte ziehen lassen. (Rufe: Zur Sache!) Als im Frühjahr die Donau eisfrei wurde, steuerten ein Dutzend Juden mit dem ersten Dampfer nach Cypern. um die Lage dort in Augenschein zu nehmen. Später folgten weitere *2S Personen nach. Inzwischen gelang es einer Gruppe von einigen hundert Personen durch die Gnade Sr. Majestät des Sultans ein Terrain in Anatolien geschenkt zu erhalten und die nöthigen Mittel, eine Colonie zu etablieren. Sofort schickten viele Städte Rumäniens Deputierte mit Bittschriften an den Sultan, die natürlich kein Gehör fanden : aber all diese Deputationen in Constantinopei kosteten den armen Leuten mehr als :»U.()oo Francs, was ihnen zwar nicht zu verargen ist, denn in der Noth griffen die Unglücklichen zu einem Strohhalme, in dem guten Glauben, in Bälde Hilfe zu finden. Vors. Dr. Mandelstamm: Ich bitte, Herr Pineles! Del. Pineles (fortfahrend): Mit jedem Dampfernach Constantinopei giengen hunderte mit, und da sie betnahe alle mittellos waren, gab die Türkei iaren Consuln in Rumänien strengste Ordre, jüdischen Emigranten keine Pässe mehr zu visieren, und da kein Schiff Personen