Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 61)
- Language
- German, English, Hebrew
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und Hoffen verlernt, und wenn wir — ich spreche da aus Erfahrung — vor den Leuten sprechen und uns, soweit es uns unsere Rednergabe gestattet, ein Zukunftsbild malen, so schauen sie uns ungläubig und spöttisch an, und wenn ja hie. und da ein Hoffnungsstrahl aufblitzt, so ist er im nächsten Momente schon wieder erloschen. Die Leute können ^ich nicht aufraffen, um eine neue Hoffnung zu fassen. Und noch eines. Wenn man die zionistische Organisation bezüglich, ihrer Stärke prüft, so fragt man: „Wie viel Schekelzahler sind wir?14 Und wieder werden Sie es vielleicht für eine Uebertreibung halten, weil Sie die Zustände bei uns nicht kennen, wenn ich ga#z ungescheut siage: Die Leute zählen bei uns nach vielen Tausenden, für welche ein« Krone, das ist nicht einmal ein englischer Schilling ein halbes Vermögen vorstellt, die überhaupt niemals im Leben je eine Krone zusammen haben. Es gibt überhaupt sehr viele, welche die Ausgabe von einer Krone auf einmal nicht kennen. Darum kann die zionistische Agitation dorr, nicht so festen Fuss fassen. Die L<>ute haben überhaupt, sagen wir es kurz, das Verständnis dafür verloren. Nichtsdestoweniger ist die zionistische Schar in Galizien und der Bukowina — allerdings muss ich einschalten, in der Bukowina sind die'Verhältnisse einigermassen erträglicher — eine sehr wackere und kampfestreue Schar. Wir haben aber noch mit einem anderen Umstände zu kämpfen, und das ist der in Galizien noch immer so stark verbreitete Chassidismus. Erwarten Sie nicht von mir, dass ich hier gegen den Zelotismus oder gegen den Kastengeist losziehe. Ich finde mich mit der Thalsache ab, dass nun einmal — man sollte es nicht glauben, aber es ist wahr — dass der Chassidismus in Galizien im Wachsen ist. Das ist wieder ein Beweis für das grenzenlose Elend dieser Leute. Sie klammern sich an was immer. Wohl hat aufgehört jene blinde Verehrung der Wunderrabbis, wie sie einst stattfand, wohl hat jene allgemeine Scheu vor der Gottähnlichkeit dieser Leute nachgelassen. Aber je mehr die Zeit fortschreitet, desto mehr Wunderrabbis kommen an das Tageslicht, und diese Leute können sich über ihre Einkünfte und Eingänge nicht beklagen. Ich hatte vor zwei Jahren und im vorigen Jahre Gelegenheit, mit zweien der hervorragendsten Repräsentanten dieser Wunderrabbis zu sprechen. Ich suchte, ich sage es ganz offen, aus taktischen Gründen, diese Leute für den Zionismus zu gewinnen; denn ich weiss, wenn einmal einer dieser Herren für unsere Sache nur ein Wort ausgesprochen hat, dann strömen die Juden dieser Gegend scharenweise uns zu. Ich suchte also diese Leute iür unsere Sache zu gewinnen, und mit welchem Resultate, das können Sie sich denken, weil Sie überhaupt von der Sache nichts weiter gehört haben. Einem dieser Herren kam ich sogar sehr ungelegen und er sagte es mir rund heraus: Jen kann in der Sache aus dem einfachen Grunde nichts thun, weil ich für eine andere Sache bin, nämlich für die Chaluka, und fürchte, dass unsere Gelder darunter leiden werden, wenn wir die Leute zu anderen Sachen heranziehen." Das war das Resultat meiner Intervention und ich habe begreiflicherweise die Sache nicht weiter forciert. Ich will mich nicht in Einzelheiten hier einlassen, aber eines werden Sie mir noch hervorzuheben gestatten. Man hat sich im Westen, in Deutschland, daran gewöhnt, den galizischen Juden ein bisschen zu verachten. Sagen wir es rund heraus! Wir fühlen es selbst, die intelligenteren Juden aus Galizien und der Bukowina, wenn wir einmal nach Westen hinkommen und unsere Heimat nennen, dass man uns selbst unter unseren Glaubens- und Stammesgenossen ein wenig über die Achsel ansieht, dass man uns als einen minderwertigen Theil des jüdischen Volkes ansieht. Sie können sich denken, dass uns das in der ersten