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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 58

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 58 (sequence 58)
Language
German, English, Hebrew
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entfernt wird, wäre an sich nicht zu beklagen, wenn es uns nur gelänge, sie zu anderen Berufszweigen überzuführen. Die diesbezüglichen Bestrebungen haben jedoch bisher noch keinen grossen Erfolg gehabt. Es existieren Vereine, welche mit vielen Opfern bemüht sind, Handwerke und Ackerbau unter den Juden Deutschlands zu verbreiten und welche zum Theil Beachtenswertes leisten. Die bisherigen Leistungen genügen jedoch nicht und wird in dieser Richtung weiter gearbeitet werden müssen. Es versteht sich von selbst, dass auch wir deutschen Zionisten an dieser Arbeit, soweit wir vermögen, theilnehmen, um die Lage d e r J u d e n i m e i g e neu L a n d e z u hebe n. Allein es wäre ein Irrthum, anzunehmen, dass die Judenfrage in irgend einem Lande für sich dauernd und befriedigend gelöst werden könnte. Es giebt eben keine deutsche Judenfrage, wie es keine rumänische und keine russische giebt. Es giebt nur e i n e Juden frage, die in den verschiedenen Ländern verschiedene Formen annimmt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Und die ('legen wart sorgt leider in nur allzu betrübender Weise dafür, dass wir an dieses Gemeinschaftsgefühl erinnert werden. (Lebhafte Zustimmung). In Deutschland haben wir dio Konitzer Affaire, deren lokale Bedeutung für die westpreussischen Juden und deren symptomatische Bedeutung für uns alle Herr Dr. Nord au in seiner meisterhaften Weise bereits dargelegt hat. Ich verzichte desshalb näher darauf einzugehen und möchte nur unseren deutschen Stammesgenossen gegenüber, welche ihre Hoffnung auf ein Fortschreiten der Cultur setzen und dadurch getröstet abseits von unseren Bestrebungen stehen, hervorheben* wie wenig berechtigt eine derartige Hoffnung sei, da wir doch sehen, dass sich die fortgeschrittene Cultur unserer Zeit mit solchen rückständigen barbarischen Anschuldigungen verträgt. Ich muss ferner darauf hinweisen, dass wir an den Gebildeten in Deutschland bei der Bekämpfung dieses Irrwesens wenig Rückhalt haben. Könitz selbst ist Kreisstadt, hat Gymnasium und Landgericht, also gebildete Elemente genug. Trotzdem konnte die Beschuldigung daselbst Boden fassen. Sie werden auch von mir nicht erwarten, dass ich ein Wort der Widerlegung spreche. Welcher Wahnsinn ist es, ein solches widerliches Verbrechen gerade demjenigen Volke zuzumuthen, welches das Gebot aufgesellt hat: „Du sollst nicht morden" und welche Thorheit, gerade demjenigen Volke, das den Genuss von Blut so aufs schärfste verpönt. Und nun möchte ich noch mit wenigen Worten die inneren Verhältnisse der Juden in Deutschland berühren.

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