Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 57)
- Language
- German, English, Hebrew
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"S* f — 57 — eines Richters oder Staatsanwalts verweigert, und erst die Taufe macht sie zur Bekleidung eines solchen , Amtes geeignet. Der hessische Justizminister hat diese Stellungnahme der Regierung ganz unumwunden mit der Gesinnung der Bevölkerung motiviert. Eine weitere Beschränkung hat die judenfeindliche Strömung in Sachsen erreicht. Dort wurde ein Schächtverbot durchgesetzt. Es wird hierdurch zweifellos ein Gewissenszwang auf die Juden ausgeübt, die ihrer rituellen Gewohnheit treu bleiben wollen. Bei diesem Verbot hat man sich auf Erwägungen des Thieischutzes berufen, während doch die.competentesten Beurtheiler (es liegt darüber eine Sammlung von * 254 Gutachten vor) darüber einig sind, dass das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren keine Thierquälerei in sich sehliessL Ja einige heben hervor, dass es anderen Schlachtmethoden sogar überlegen ist. Am meisten macht sich die judenfeindliche Stimmung' im gesellschaftlichen Leben geltend. Hier hat der Antisemitismus geradezu verwüstend eingewirkt. Gesellschaftliche Vereinigungen, die auf sich . halten, schliessen sich gegen die Juden ab. Wenn der j ü d i s c h e Student das Gymnasium verlässt, so hört mit seltenen Ausnahmen sein Verkehr mit den christlichen Gullegen, mit denen er Jahre lang auf derselben Schulbank gesessen, auf. Die kaufmännischen Angestellten sind zu einem grossen Theil deutschnational organisiert, der Private gesellschaftliche Verkehr zwischen Juden und Christen hat erheblich gelitten; denn gerade dem feinfühligem Juden ist Unter dem lastenden Druck der Zeil die zum Verkehre nöthige Unbefangenheit verloren gegangen. Judenreine Motels, judenreine Bäder sorgen dafür, dass unsere arischen Mitbürger von dem Judenvolke nicht belästigt werden. Was die wirtschaftlich e n V e r h ä 11 n i s s e der Juden in Deutschland betrifft, so sind dieselben vielfach im R ü c k g a n g e begriffen. Das gilt nun weniger für die Juden in den grösseren Städten, wo sie Handel und Industrie betreiben, und wo ihnen auch andere Berufe zu Gebote stehen. Es gilt hauptsächlich von den Juden in den kleineren Städten und v o m pl att e n Lan d e, wo sie, seit Generationen ansässig, von Alters her grossentheils vom Klein- und Zwischenhandel gelebt haben. Nun sind die allgemeinen w i r t s c h a f 11 i c h e n Bedingungen diesen Erwerbszweigen nicht günstig, und die deutsche G e s e t z g e b u n g zeigt in den letzten Jahren die Tendenz, sie einzuschränken. Aus diesen Gründen sind bei uns verhältnismässig viele Juden in ihrem Erwerbe zurückgegangen und sind verarmt. Dass ein Theil der Juden vom Handel