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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 56

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 56 (sequence 56)
Language
German, English, Hebrew
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Seitdem ist der Antisemitismus in Deutschland nicht mehr von der Tagesordnung verschwunden; er hat umgestaltend auf unsere ganzen socialenVerhältnisse eingewirkt, und diese Wirkungen sind auch in keiner Hinsicht als abgeschlossen zu betrachten. Die Bewegung kam jäh und unerwartet. Die deutschen Juden haben seit mehr als 100 Jahren an den culturellen Interessen ihres Landes Antheil genommen; sie haben die vaterländischen Geschicke mitdurchlebt, die Wacht am Rhein mit Begeisterung mitgesungen und die deutsche Einigung jubelnd begrüsst. Sie haben sich als echte und rechte Deutsche gefühlt und glaubten sich in diesem Gefühle für immer gesichert durch die verfassungsmässige Gleichberechtigung, die ihn&n zutheil wurde und durch die Gemeinsamkeit bürgerlicher Interessen, welche die liberale Gesetzgebung des neuen Deutschen Reiches geschaffen hatte. Keine zehn Jahre hat diese Entwicklung angehalten, da setzte auch schon die Reaction mit aller Macht ein, und der Antisemitismus erhob sich zur Bekämpfung der Juden und zu ihrer Verdrängung aus allen bürgerlichen und socialen Stellungen. Dieses Ziel hat der Antisemitismus in Deutschland in beträchtlichem Maasse erreicht. Die Juden selbst haben der Bewegung wenig Widerstand leisten können. Der Widerspruch, mit dem das freier gesinnte Bürgerthum ihr anfänglich entgegentrat, versagte ebenfalls und Hess auch bald nach. Der Antisemitismus ist so im Laute der Jahre in alle Kreise eingedrungen und auch auf liberaler Seite hat man es aufgegeben, ihn in den eigenen Reihen zu bekämpfen. Die antisemitische Partei verfügt in Deutschland über eine Reihe von grösseren titul kleineren Zeitungen, in denen täglich gegen alles Jüdische gehetzt wird. Aber auch ein grosser Theii der anderen Presse arbeitet im gleichen Geiste, bald in unverhüllter Form, bald in versteckter Weise. Für alles Hässliche und Verächtliche hat man die Bezeichnung rjüdisch44 bereit, als ob es nie eine ethische Betätigung des jüdischen Geistes gegeben hätte, die die Welt bis heute als kostbares Erbtheil bewahrt. Die rechtliche Gleichstellung der Juden in Deutschland * ist trotz der Anläufe, welche die antisemitische Partei zu ihrer Beseitigung gemacht hat, zwar nicht geändert worden; allein die sociale Scheidung der Geister, welche der Antisemitismus hervorgerufen hat, bewirkt, dass dieses Recht, welches ja nach Lage der Sache von vornherein kein vollkommenes war, mehr und mehr verkümmert. Eine grosse Anzahl von staatlichen Stellungen und Carrieren sind den Juden ja immer verschlossen geblieben. In Hessen wird ihnen, wie neuerdings bekannt geworden, ganz allgemein die Zulassung zur Stellung

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