Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 51)
- Language
- German, English, Hebrew
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des israelitischen Reiches von dem assyrischen Könige Salmanassor geführt wurden. Und thatsächlich ist aus der Bibel bekannt, dass der König Salmanassor viele Israeliten in die Gefangenschaft weggeführt hat und sie in den nördlichen Provinzen des assyrischen Reiches, unter diesen auch in den Midischen Bergen, die nach unserer Meinung identisch sind mit den kaukasischen Bergen, angesiedelt hat. Die Sprache der Bergjuden ist ein besonderer Dialect, der sogenannte „Täter* oder „Parser", welcher sehr nahe verwandt ist der persischen Sprache, und welchen sie aus Persien, woher sie ja, wie vorhin erwähnt, nach dein Kaukasus kamen, mitgebracht haben. Als die Juden sich hier festsetzten, haben sie sogar einige unabhängige Fürsienthümer gegründet und mit Erfolg unter der einheimischen heidnischen Bevölkerung die jüdische Bevölkerung propagiert (Chazarim und andere). Aber in kurzer Zeit ist diese verhältnismässige Glückseligkeit durch den Einfall der Araber, welche mit Feuer und Schwert die mohammedanische Religion im Kaukasus zu verbreiten suchten, gestört worden. Die Juden sind wiederum Verfolgungen und l'nterdrückungen unterworfen worden, und viele von ihnen, besonders die reichen und höheren Classen, wurden den Islam anzunehmen gezwungen, so dass es noch heute in vielen muselmännischen Familien Geschlechtstafeln gibt, welche auf die jüdische Abstammung hinweisen. Trotz aller dieser Verfolgungen aber ist ein bedeutender Theil der Bergjuden unverletzt geblieben und hat sich im Laufe einiger JahrhundHite mit den Waffen in der Hand erfolgreich für Freiheit und Existenz gegenüber den sie umgebenden zahlreichen, ihnen feindlichen kleinen Völkern und Stämmen gewehrt und Religion und Nationalität, vertheidigt. Als im Anfange dieses Jahrhunderts Russland an die Eroberung des Kaukasus schritt, um sich gegen die beständigen Ueberfälle der tscherkessischen Stämme zu schützen, da haben sich die Bergjuden, welche auch unter den räuberischen Ceberfälien dieser Stämme stark zu leiden hatten, zum grössten Theiie an die Seite Russlands, als der Trägerin der friedlichen Cullur, gestellt und haben den russischen Truppen bei der Eroberung des Kaukasus mit den Waffen in der Hand in den Sehlachten gegen die ungehorsamen und feindlichen Bergbewohner geholfen und auch, dank ihrer Kenntnis der einheimischen Sprachen und der Gegend, als Dolmetsche und Wegweiser gedient. Aus Dankbarkeit für diese Dienste hat die russische Regierung nach der Eroberung und vollständigen Pacih'cierung des Kaukasus den Bergjuden gleiche Bürgerrechte mit den übrigen einheimischen Stämmen gegeben. (IN7±) In der letzten Zeit jedoch hat die örtliche Verwaltung aus Missverständnissen oder aus anderen Gründen die Rechte der Bergjuden zu beschränken angefangen und sie der allgemeinen Gesetzgebung über die Juden in Russland zu untei werfen gestrebt. Diese Versuche haben bei den Bergjuden ein grosses Aergernis hervorgerufen, und sie haben-eine Deputation nach St. Petersburg mit einem Vortrage beim Statthalter des Kaukasus gesendet, um ihre Rechte, welche auf speeielle Anordnungen der höheren Gewalten gegründet sind, zu vertheidigen. Jetzt ist auch zu diesen Entrissenen Israels die Nachricht von der zionistischen Bewegung und vom Ziouisten-Cougresse gelangt, und sie haben sich mit Exiase der allgemeinen Arbeit im Interesse der zionistischen Idee angeschlossen, und haben zu mir eine Deputation gesendet, um sieh über «iie zionistische Bewegung unterrichten zu lassen, und gründeten einen Verein als Abtheiiuug des von mir in Charkow gegründeten Verbandes „Schomrei Zion" (Wächter von Zion). Sie bevollmächtigten mich auch, als ihr Vertreter auf dem dritten und jetzt auf dem vierten Congresse zu erscheinen und ihre Gefühle und Wünsche liier zum Ausdrucke zu bringen. i*