Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 49)
- Language
- German, English, Hebrew
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— Aber viel zu schwach ist die Ueberzeugung, dass für die Juden der übrigen Welt mit der Grösse der Aufgabe auch die Grösse ihrer Pflichten gewachsen ist. Ein neues Spanien ist den Juden bereitet, und nicht ein Riesenschrei der Entrüstung und des Zornes erhebt sich unter ihnen von Ost bis West, um vor aller Öffentlichkeit die Urilh.it zu brandmarken! Mit' Frohlocken loben die Antisemiten aller Länder den Muth ihrer Gesinnungsgenossen jenseits der Karpal hon und beginnen, gleich wilden Thieren, am vergossenen Blute Geschmack zu finden, und doch ist das Gefühl der Selbstbewahrung nicht imstande, alle jüdischen Gemeinden zu kräftigem Handeln und neuer Energie zu erwecken. Seit Jahren betteln in den Vorzimmern von ganz Europa dieselben verfallenen Gestalten, seit Jahren wiederholen sie monoton dieselben Klagen über Verfolgung und Elend, und all dies ist-verhallt,--verllog wie der Schall der gemurmelten Worte. Die jüdischen Gemeinden haben nichts vorhergesehen, nichts vorbereitet, sie sind von der heutigen Flut überschwemmt worden. Zwar ist noch in den Köpfen mancher Juden des Westens der Geist der Cremieux, Münk und Montefiore (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen) nicht ausgestorben — schwächer wohl, wie es bei Epigonen stets der Fall, und nicht von jener Autorität gestärkt, aber er lebt. Die Zahl dieser Männer ist heute zu gering, ihr Beispie* nicht glänzend genug, um alle übrigen mitzureissen. Mehr als alle theoretischen Argumente hat die rumänische Krise wieder bewiesen, dass der Zionismus ei n e N o t hw e n d i g k e i t, (Lebhafter Beifall) dass e r das einzig e 11 ettungs mittel für II u n d e r 11 a u s e n d e u n s e r e s Volkes ist (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wohl hollen wir, dass die Machthaber Rumäniens selbst einsehen werden, dass man nicht ungestraft der öffentlichen Meinung und dem moralischen Gewissen der gebildeten Welt trotzen kann, wohl hoffen wir, dass für den Augenblick wenigstens an dem namenlosen Unglücke und an den vergossenen Thränen eines unschuldig duldenden Volkes genug sein wird. Aber wir dürfen nie die Lehre vergessen, dio sich aus der furchtbaren Katastrophe dieses Jahres wieder von neuem ergibt: Arbeiten wir kräftiger denn je an der Schaffung unserer Organisation, damit kommende Unglücksfälle die Judenheit nicht wieder so treffen, wie die Auswanderung der rumänischen Juden. Es ist Zeit, dass das Judenthum reiner sei und grösser und sich selbst achtend. In der Einigkeit liegt unsere Kraft, und am Ende dieses Jahrhunderts ist die Öffentlichkeit auch Kraft Der Zionismus strebt die eine mit allen Mitteln an und wird sich der anderen voli und ganz bedienen. Wie mein hochverehrter, grosser Freund Nordau Ihnen heute schon gesagt: < Wir bieten nochmals in diesem feierlichen Augenblicke die Bruderhand allen jenen, welche noch nicht mit uns gehen, damit es auch i-