Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 48 (sequence 48)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476262--1120-3477256
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— IS — nische Land begründeten. Heute, wo uns nur mehr das Recht, Hungers zu sterben, übrig geblieben ist, treibt uns das Gefühl der Selbsterhaltung in andere Länder, andere Horizonte; unsere Menschenwürde zwingt uns, Völker aufzusuchen, unter denen wir vielleicht das Glück gemessen werden, durch Arbeit das tägliche Brod zu verdienen, und wo wir demzufolge auch als Menschen anerkannt werden.4 So sprechen jene, welche man nicht, als Landeskinder betrachen will! Dadurch, dass die Juden Rumäniens sich über die ganze Welt verstreuen, ist die rumänische Judenfrage nicht mehr eine interne des Landes, sondern eine internationale geworden. Sie war es bereits seit dem Berliner Vertrage, sie ist es heute noch mehr, denn die anderen Staaten sind gezwungen, sich auch mit ihr zu beschäftigen und irgend einen Staudpunkt den Wanderern gegenüber einzunehmen, welche um Gastfreundschaft bitten. Die meisten verweigern den Armen das Gastrecht. Selbst Canada, auf das sie ihre HoHhung setzten, beginnt, sie zurückzuweisen. Dieses grosse und gastfreundliche Reich, wo wir das Glück haben, uns heute versammeln zu können, das freie England, (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) ist seinem alten Rufe, ein Asyl und Hort für vom Glücke verlassene Flüchtlinge zu werden, treu geblieben. Noch nie haben elende und verfolgte Menschen Engtands Hilfe vergeblich angerufen, (Erneuerter, stürmischer Beifall und Händeklatschen.) die Hille derjenigen Nation, welche die Lehren der christlichen Nächstenliebe nicht bloss im Munde führt. Wir bekennen, dass wir im Herzen die Hoffnung hegen, die Sympathien Englands werden sich auch in unsen in Falle thatkräftig erweisen, und schon jetzt sprechen wir unseren tiefgefühlten Dank der englischen Regierung aus, welche unseren armen Brüdern stets ihr wohlwollendes Interesse bekundet hat. (Erneuerter lebhafter Beifall.) Gerne würden wir ihr jene Aufklärungen über die wahre Sachlage zur Verfügung stellen, die ihr zu mangeln scheinen. Keine Macht der Erde jedoch hat sich bisher werkthätig der Juden angenommen. Nirgends hat man sich die Frage vorgelegt, was mit den Juden geschehen soll, wenn sie am Befreien fremder Gebiete verhindert werden, während sie in ihrer bisherigen Heimat, so lange die jetzigen Gesetze bestehen, schon aus dem (»runde nicht bleiben können, weil sie dort dem Hungertode entgegengehen. So lange sie in Rumänien wehten, mussten sie ihre Verzweiflung scheu unterdrücken. Seit sie sich durch die Länder schleppen, und ihre angsterfüllten Gesichter den civilisierten Nationen zeigen, beginnt auch eine leise Ahnung ihrer Flüchten jene zu beschrieben, welche ihnen durch die Bande des Blutes und auch durch die Erinnerung an ähnliche Qualen, die einst ihre Väter erlitten, verwandt sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.