Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 10 — Das anhaltende Elend und die Aussichtslosigkeit, sich in Rumänien sein Brot zu vordienen, führten ihn zum Entschlüsse, auszuwandern. Am frühen Morgen des Tages, wo er die Heise antreten sollte, wurde er von Polizei-Agenten in seiner Wohnung abgeholl, auf die Polizeiwachstube gebracht, daselbst einem Verhöre unterworfen und hierauf von dem diensthabenden P(»lizeicomissär derart geprügelt, dass der Arme besinnungslos zu Boden hei. Als er später aus der "Wachstube entfernt wurde, fehlten ihm die IHM) Francs, die sich in seiner Tasche befunden halten, welche wahrscheinlich den Preis der blutigen Operation darstellten. Seine Klage wurde auf der Staatsanwaltschaft zu Protokoll genommen. Und damit war auch die All'aire erledigt. Die Erzählung des armen Opfers wurde nicht nur von den grossen Zeitungen der Hauptstadt abgedruckt, sondern selbst von dem ohlciösen Organe Dreptatea4* vollinhaltlich bestätigt. Hören Sie, was ein rumänisches Blatt, der „Adeverul" vom 11. Juli P)<)0, über die Lage der .luden der Hauptstadt schreibt. Selbstverständlich ist der Bericht dieses oppositionellen Blattes mit grösster Vorsicht aufzunehmen, doch finden sich darin Ansichten, weiche uns von den unglücklichen Opfern selbst vollkommen bestätigt wurden. Bas Journal schreibt nämlich: „Eine fürchterliche Panik herrscht, unter den Juden der Hauptstadt, insbesondere unter der armen Bevölkerung, die zur Auswanderung bereit ist. Es eirculiereii traurige Berichte über die Haltung der Polizeior^ane gegenüber den Emigranten und über Massregeln, die in anderen Städten ergriffen worden sind. Seit einigen Tagen sind insbesondere die armen und unordentlich gekleideten Juden den fürchterlichsten Terrorisierungen ausgesetzt, so dass sie sich nicht mehr getrauen, ihre Wohnungen zu verlas-en. Beulewerden in den Strassen unerwartet von Polizei-Agenten festgenommen, auf die Wachstube gebracht und dort in der wildesten Art und Weise gemartert. Die nicht in der Hauptstadt Geborenen werden noch davongejagt.1* Meine Damen und Herren! Es ist wie ein Sturmwind des Wahnsinns, der die grösste Masse des rumänischen Volkes ergriffen hat. Jede neue Unthat, jedes neue Opfer wirk! wie ein ansteckender Stotf auf die Geister und Gemüther. Die Verbrechen häufen sich, die Nation hat das Gleichgewicht normal denkender Menschen verloren. Die Hefe der Gesellschaft, die sich ihrer Brutalität brüstet, steigt immer höher hinauf und hat das Land jeglichen Schamgefühles entkleidet. End doch ist es dieser Ilass nicht allein, der die acute Steigerung der langjährigen chronischen Krisis herbeigeführt hat: Er war bloss einer der beiden Factoren, der mächtigere, während der andere die unglaubliche ökonomische Lage der Juden ist. Um es mit einem Worte zu sagen: Die Machthaber und