Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 1 { — Urtheilon Sie. ob das Wort, das ich gewählt habe, zu slark ist. Die Juden in Rumänien dürfen nur in den wenigen grossen Städten leben. Der Hausierhandel ist ihnen untersagt. Die meisten Laufbahnen sind ihnen verschlossen. Ein wohlorganisierter Boycolt sorgt dafür, dass die wenigen Fe/ufe, die sie au-üben dürfen, sie nicht ernähren. In den öffentlichen Schulen ist für sie kein Platz. Für ihre eigenen Privatschulen werden Vorschriften erlassen, die einer heuchlerischen Form der Unterdrückung dieser Schulen gleichkommen. Im Rechtsstreite zwischen einem Juden und einem Nicht- Juden ist in der Hegel — selbstverständlich m'bt es viele Ausnahmen — der Jude von vornherein verurtheilt. Dass es gegen wörtliche Beleidigungen durch Ausdrucke des bestialischsten Hasses und der tiefsten Verachtung im täglichen Umgänge und in der Presse weder Schutz noch Sühne gibt, ist selbstverständlich. Ich will mich nicht in Einzelheiten verlieren. Sie werden ja. überdies einen Sonderbericht über die Verhältnisse in Rumänien empfangen. Kurz gesagt, ist die Lage diese: Die eingeborenen Juden werden in Rumänien als Fremde betrachtet und der fremdenfeindlichsten Gesetzgebung unterworfen, die Europa kennt. Der Zweck dieser Gesetzgebung ist, ihnen zunächst das tägliche Brot und dann jede BildungsmöglieliKeit zu nehmen. Sie M>ilen in die letzten 'riefen der Unwissenheit und Betlclarmnt gestürzt und in diesem schwarzen Abgrunde endgiltig begraben werden. Sie sollen in eine Verfassung gebracht werden, neben der die Verlassung der Zigeuner, ja sogar die der Aussätzigen im .Mittelalter glänzend ist. .Man hoflt vergnügt, dass in dieser Verfassung' selbst die zähen Juden in einigen Generationen bis auf wenige Reste leiblich und geistig vernichtet sein werden. Die rumänischen Juden erkennen, welches Schicksal ihnen bereitet werden soll, und suchen sich beizeiten durch Auswanderung zu retten. Die rumänischen Antisemiten sahen mit Bedauern ihre ausersehenen Opfer ihnen durch die Flucht entgehen. Sie fürchteten auch den peinlichen Eindruck; den die Aufdeckung derartiger Verhältnisse auf die ötlentliche Meinung beider Welten hervorbringen musste. Sie handhaben also mit grosser Gewandtheit den zu ihrer Verfügung stehenden Pressapparat, um in die ausländischen Blätter Mittheilungen gelangen zu lassen, in denen buchstäblich jedes Wort eine athemraubend dreiste Unwahrheit ist. Mau setzt die absurde Fabel in die Welt, die Auswanderung der Juden sei das Werk einiger Schwindler und Volksvei führer. Man behauptet, dass bloss einige hundert Juden die Grenze überschritten haben, obschon doch, die Statistiken der Gronznaehbarn. der westlichen Unferstützungsvereine, der Auswaiulerumjshäfcu. diese grobe und alberne Fälschung alsbald richtigstellen. Man verfasst Krklärungen. wonach es den Juden in Rumänien glänzend geht, und iässt sie durch einige uuglücküehe jüdische Verräihei' und Feiglinge unterschreiben, um sie