Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German, English, Hebrew
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-11 — Volk dadurch zum tiefsten Haida» bewegt ist. (Neuerlicher langanhaltender Beifall.) Aber dies Eintreten der Behörden tu r die seh wer bedrohten Juden hat deren Stellung nicht verbessert, eher versehlimmert. Die Menge duri'to ilireni I lasse nicht die Zügel schiessen lassen. Sie niusste ihre Wuth verhalten. Aber im Herzen rechnet sie diesen Zwang den Juden als eine neue Schuld an und lechzt nach Gelegenheit, sie ihnen mit allem Uebriuen zu vergelten. In diesen Gegenden sind die Juden buchstäblich wieder Schutzjuden der Regierung geworden und hängen vom Wohlwollen der Behörden in einem Masse ab. wie kein anderer Thcil der Bevölkerum:. Alan erschrickt bei dem Gedanken, was geschehen würde, wenn sie durch irgend eine Handlung oder Unterlassung die Gunst de»' Obrigkeit verscherzen wurden, oder wenn eine Partei ans Ruder käme, der mehr an Volkstümlichkeit als an Gerechtigkeit läge. An dem Tage, wo die Behörden von den Juden die Hand abziehen würden, wären diese vogelfrei. Das ist die Lage der .luden in hochstehenden Gesittungsländern,- wo sie sich stolz des Vollbesitzes der Bürgerrechte rühmen. Doch was sind selbst diese Demüthigungen und Gefahren neben den Ereignissen, die sich in Rumänien entwickelt haben? Dort ist eine Katastrophe eingetreten, wie sie das jüdische Volk seit vier Jahrhunderten nicht erlebt hat. In der Thal, wir müssen bis zum Jahre W,)d, bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien zurückgehen, um etwas Aelmliehes zu linden. Wohl hat auch zwischen dieser Jahreszahl und der Gegenwart einzelne Judenschaften Unglück getroffen, wohl wurden einzelne Gemeinden zersprengt, verjagt, wohl auch ausgeschlachtet. Aber alle diese Theilverhängnisse verschwinden bis zur Unwahrnehmbarkeit neben der tragischen Grösse der rumänischen Heimsuchung. An der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts ist Europa wieder Augenzeuge von Auftritten, die es zum letztenmal im Jahre i7*^0 sah, als-oO.OÜO Salzburger Protestanten wegen ihres Glaubens von Haus und Hof verjaut wurden. Wieder sieht mau auf allen Strassen unseres Erdtheiies lange Züge unglücklicher .Menschen umherirren, hinter sich den Tod, vor sich das Unbekannte mit all seinem Grauen, Greise, die am Wegesrande liegen bleiben, .Mütter, die vor .Müdigkeit und Erschöpfung zusammenbrechen und ihren wimmernden Säuglingen nur eine verdorrte Brust reichen können, Männer in der Vollkraft der Jahre, die noch immer lioflen möchten, weil sie im Bewusstsein, im Gefühle ihrer Stärke sich allen Gefahren und Kämpfen gewachsen. fühlen, die aber, wenn sie durch den glücklichen Frieden freundlicher Dörfer wandern, mit Bitterkeit fragen: „Warum dürfen diese sich mit Behagen ihres Daseins freuen und wir nicht? Sind wir nicht Menschen wie sie? Sind wir uns etwa einer. Schuld bewusst? Wollen wir denn etwas anderes als in Ruhe at beiten,