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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1900-01-01 · 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900 · p. Seite 10

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
Date
1900-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German, English, Hebrew
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— 10 — " Ref. Dr. Max Nordau: G e e Ii r l c Vors a m in 1 u n g! Seit wir die Einrichtung geschaffen haben, die Erlebnisse des jüdischen Volkes jährlich auf unserem Kongresse in eine kurze Uebersieht zusammenzufassen, entrollt sich seine Geschichte vor unseren Augen wie eine antike Tragödie, wo von Act zu Act da- Grauen wächst und die Katastrophen einander übergipfeln. Von Jahr zu Jahr erfahrt das Elend unseres Stammes eine schauerliche Steigerung, und ohne dass wir es wussten, sicherlich ohne dass wir es wollten, ist das Euch lliob mit seiner alttestamentarischen düsteren Grossartigkeit das Vorbild für unsere jährlichen Eeriehte über die Eage des jüdischen Volkes geworden. Das Jahr seit dem letzten Zionisten-Congresse ist das schlimmste, worüber ich bisher zu berichten hatte. Der Antisemitismus, der nach der lächelnden Versicherung der Gemeindehäupter des jüdischen Volkes eine luissliche, aber vorübergehende Tagesmode sein sollte, verbreitet sich über den ganzen Erdball wie ein Waldbrand, der umso rasender wüthet, je grössere Ausdehnung er gewinnt. Er verheert ein Land nach dem andern und gefährdet die Juden auch dort, wo sie sich am sichersten wähnten. Er nimmt Formen nn, die die vergrämteste Schwarzseherei nicht für möglich gehalten hätte. Alle Gespenster des Mittelalters steigen aus ihrem Grabe und spuken am heJIlichlen Tage. Selbsl das schcusidiche Elutmärchen wird wieder von weiten Volkskreiseu geglaubt und hetzt sie in eine Erregung, die Eigenlhum und Leben der Juden schwer gefährdet. Die Fälle von Tisza-Eszlar und Xanten waren Warnungen, die man wieder vergessen hatte. Polna und Könitz sind markerschütternde Mahnrufe, vor denen das jüdische Volk die Ohren nicht versehliessen darf. In Döhnu n wurde ein .lüde thatsächlich wegen Eitualmordes zum Tode verurtheilt wie vor 4-00 Jahren (Pfui-Rufe) und in czechischen Gegenden begegnet man den .luden auf der Strasse mit der Geberde des Halsabschneidens. (Pfui-Kule.) In Westpreussen und Pommern sehen Juden sich genöthigt, aus Orten zu verziehen, wo ihre Vorfahren seit Mensehenalteni ansässig gewesen sind, weil ihre Mitbürger sie als Angehörige einer Mördersecte mit Beschimpfungen und Thätlichkeiten verfolgen. In Oesterreich wurde das Polnaer Todesurtheil aufgehoben und neue Verhandlung anberaumt. In Preussen traten die öffentlichen Gewalten den Ausschreitungen der Menge scharf entgegen und hielten mit eiserner Faust die Ordnung aufrecht. In beiden Staaten haben die Regierungen voll ihre Piiieht gethan und nicht geduldet, dass an ihren jüdischen Unterthanen Gewalttaten verübt wurden. Namentlich in Preussen wurde an höchster Stelle eine so stolze, so grossartige Auffassung landesväterlicher Aufgaben entfaltet (Stürmischer Beifall und Händeklatschen), dass das jüdische

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