Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 213)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 213 — des Baseler Programmes. Davon soll immer gesprochen werden, und jeder Besehluss, den die verschiedenen örtlichen Cjrganisationen fassen, alle Thätigkeit, die in den verschiedenen Ländern ausgeübt wird, soll in das Actions-Comite hineinkommen und der Congress soll darüber beschliessen. Ich beantrage, dass der Congress klar und deutlich ausspreche, dass unter den Worten: „Zionistisch-geistige Thätigkeit" verstanden werde, was im dritten Punkte des Baseler Programmes steht. Dagegen können die Orthodoxen nichts haben, denn die Orthodoxen, die nach Basel kommen, stehen auf dem Baseler Programme, und als auf dem Boden des Baseler Programmes stehend, müssen wir diesen Punkt beachten, und dieser Punkt ist unsere Cultur. Vors. Dr. Mandelstamm: Ich muss mich vorerst bei Herrn Josef Eosenfeld entschuldigen. Ich dachte, er hätte auf das Wort verzichtet. Dies ist nicht der Fall gewesen, und indem ich nochmals um Entschuldigung bitte, ertheile ich Herrn Rosenfeld das Wort. Del. Josef Rosenfeld-Berdyczew : Ich erlaube mir, den Antrag zu stelllen: Der hohe Congress möge dafür Sorge tragen, der jüdischnationalen Jugend jüdisch-geistige Nahrung zuzuführen, unsere jüdischnationale Entwicklung zu autorisieren, zu sanctionieren. Diese „Sanction" ist sehr nothwendig, da von Seiten der „praktischen" oder „politischen" Zionisten den Culturanhängern so viele Hindernisse in den Weg gelegt wurden oder auch gelegt werden und uns der Name „Zionist" abgestritten wird. Diesen theuren Namen, welchen wir mit mit unserem Blute erkauften! Da sich eine „Chewra- Kadischa" unter Anführung moderner Torquemadas bildete, um die Culturzionisten zu begraben, so ist es heilige Pflicht des Congresses, auch dbse zionistische Partei in Schutz zunehmen, damit dadurch jeder Streit vermieden wird. (Zustimmung und Zischen.) Del. Schenkin: Ich beantrage Schluss der Debatte ohne Anhörung weiterer Redner und Schluss der Sitzung. Del. Dr. Krebs: Ich bin vier Tage hier am Congresse und Sie haben mich nicht zum Worte kommen lassen. Ich bin kein Mann der Rede, dem es nur darum zu thun ist, gesprochen zu haben, allein diesmal kann ich nicht darauf verzichten, das zu sagen, was ich zu sagen habe, wenn es mir erlaubt ist, das Wort zu nehmen. Vors. Dr. Mandelstamm: Ich stelle den Antrag, ob die Herren geneigt sind, Herrn Dr. Krebs reden zu lassen. (Lebhafte Rufe: Nein!) Wir werden abstimmen. Jene, weiche dafür sind, dass Herr Dr. Krebs das Wort erhalte, wollen die Hand erheben. (Geschieht.) Es ist die Majorität. Herr Dr. Krebs hat das Wort. Del. Dr. Krebs: Meine sehr geehrten Herren! Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich durch mein gebrochenes Deutsch Ihr feines deutsches Ohr vielleicht verletze. Ich bin, meine Herren, ein Mann der Praxis. Ich bin gleichzeitig; Rabbiner, zu meinem Sprengel gehören 40 Gemeinden in den ackerbautreibenden Coionien Südrusslands. Ich kann mir nun nicht denken, dass wir die ganze Culturfrage aufgeben sollen. Man fragt mich von verschiedenen Seiten : Sie arbeiten doch für das Wohl der Juden in Russland, für eine Besserung ihrer Lage. Sie sind doch aber Zionist. Das ist ein Widerspruch. Wenn Sie im allgemeinen für die Cultur arbeiten, dass es Ihren Landsleuten besser gehen soll auf dem Boden, auf dem sie sich jetzt befinden, und doch Zionist sind...! Ich sage: Im Gegentheil. Wenn ich auch auf dem Programme der zionistischen Partei stehe, so arbeite ich doch für die allgemeine Cultur und fühle, dass ich nicht weniger Zionist bin als ein anderer. Als Praktiker arbeite ich, wenn allgemeine Culturfragen