Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 209)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 209 — halten, und wohl auch nicht die Versammlung, ihn anzuhören, so wird doch niemand von den Sachkennern bestreiten, dass im Laufe der letzten Congressjahre die hebräische Literatur eine Entfaltung aufzuweisen hat, die sie früher nie erreichte. (Lebhafter Beifall nncl Händeklatschen.); _......... ___^___WS^^UUSÜ^^äfi^ Ich constatiere, dass die hebräische Literatur in fortschreitender Entwicklung begriffen ist, dass die Zahl der hebräischen Leser im Wachsen begriffen ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich glaube auch constatieren zu können, dass nicht nur in dieser einen Richtung, sondern in allen Richtungen des nationalen Lebens jetzt ein viel gesünderer Gedanke pulsiert, eine viel lebhaftere imd tüchtigere Thätigkeit entfaltet wird. Es ist unsere Aufgabe, den Zionismus auf allen Gebieten des jüdischen Wirkens und Denkens zur Geltung zu bringen, unser Vaterland „Zion" muss grösser sein, es darf nicht nur auf einzelne Zweige der Thätigkeit beschränkt werden, es muss alle Zweige der jüdischen Thätigkeit umfassen. Dass unsere Massen grosse Tugenden haben, das wissen wir alle, und das brauchen wir nicht von hier aus zu verkünden. Wir dürfen uns aber nicht verhehlen, dass unsere Massen auch gewisse Mängel haben und dass sie zum zionistischen Ideale erzogen werden müssen, und diese didaktische Aufgabe des Zionismus soll nicht aus dem Auge gelassen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn ich von Mängeln spreche, so verstehe ich darunter sowohl die allgemeine als die jüdische Cultm\ Man darf sich nicht verhehlen, dass die Massen in ihrem jetzigen Zustande noch weit entfernt davon sind, schon mit allen Mitteln ausgerüstet zu sein, die dazu nöthig sind, um eine selbständige Existenz zu führen. Wir müssen also ganz parallel mit allen anderen vorbereitenden Schritten, die wir in jeder Richtung unternehmen, auch in "dieser Beziehung wirken, und dies, meine Herren, ist praktischer Zionismus. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Man wird mir darauf antworten: Was kann der Congress in dieser Beziehung- Unternehmen, was kann er Praktisches leisten? Ich antworte ciarauf: Nichts kann er. Er kann aber auch in vielen anderen Richtungen in diesem Augenblicke nichts leisten. Nichtsdestoweniger hält er Worte für Thaten, und dieser richtigen Erkenntnis gemäss muss er mit Bezug auf die vorbereitenden Arbeiten der Masse des jüdischen Volkes gegenüber verfahren, darf er nicht aus dem Auge lassen, dass alle Zweige der jüdischen Thätigkeit, dass die ganze Erziehung der Massen und der jüdischen Jugend in dieses Arbeitsprogramm aufgenommen werden soll, und dass jeder, in welcher Richtung er auch arbeitet, praktischen Zionismus treibt. Ich glaube, ganz in Uebereinstimmung mit den Principien des Baseler Congresses behaupten zu können, dass derjenige, der die Juden zu productiver Arbeit anleitet, einen Schritt macht zur Erreichung des zionistischen Ideals. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich weiss nicht weniger als alle anderen, class das Schlagwort „Cultur" zu gewissen Missverständnissen Anlass gegeben hat, ich weiss nicht weniger als alle anderen, wie viel Staub das in der hebräischen Presse und in vielen Flugschriften aufgewirbelt hat. Meine Herren! Täuschen wir uns nicht und glauben wir nicht, dass, wenn diese Phrase nicht vorhanden wäre, schon alles ganz ruhig und friedlich wie in einer Idylle wäre, (Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Das ist eine Täuschung. Wir werden nie der Polemik entgehen, wir werden nie alle mit einemmale überzeugen können. Es geht ein Process vor sich, der Process der fortschreitenden zionistischen Parteien ist im Wachsen begriffen, das genügt, und es darf uns nicht entmuthigen, dass gewisse Leute, die den Ausdruck nicht verstehen, sich dagegen auf- 14