Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 201)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 201 — machen, dass er für Aufklärung und Fortschritt sorgt; von congresswegen können wir da Goneretes nicht leisten. Das würde uns schon unsere Loyalität gegenüber den Gesetzgebungen und politischen Verwaltungen der verschiedenen Länder unserer Diaspora verbieten. Die Zionisten können und sollen überall gute Patrioten sein und nicht einmal den Verdacht einer Ungesetzlichkeit aufkommen lassen. Eines aber können wir von congresswegen thun, nämlich fesstellen, dass, wie ich schon zuvor gesagt, das jüdische Volk ein Gulturvolk ist, und daran erinnern, dass es Gultur schon zu einer Zeit gepflegt hat, wo noch alle Nationen im Dunkel geschwebt haben (Lebhafter Beifall und Händeklatschen), und die Gultur zu einer Zeit allein fortgeführt hat, als es noch finster war an allen Ecken und Enden. Wir können feststellen, dass es eine s p e c i f i s c h - j ü d i s c h e G u 11 u r gab und nach gewisser Richtung noch gibt. Im Golus haben wir einen gewissen Stillstand eintreten lassen müssen, weil wir nicht anders konnten. Und da hat sich unsere geistig* Thätigkeit auf ein bestimmtes enges Gebiet concentriert, welches ebenso religiös wie national ist. Denn Religion und Nation haben bei den Juden immer zusammenfallend und zusammen thätig gewirkt. Es ist sehr schön, wenn man jetzt logisch und begrifflich diese Ideen differenziert; aber sie können sie nicht auseinanderhalten, da sie das eine als die eine Hand, das andere als die andere ansehen müssen. Bei den Völkern des Alterthums hiengen diese Dinge ununterscheidbar zusammen. Die Juden sind aber eben ein altes Volk, und darum finden Sie in jedem Blutstropfen, in jeder Faser des Juden etwas Religion und etwas Nation zusammengebunden, so beim extremen Freidenker, wie beim kosmopolitisierenclen Bekämpfer aller Nationalitätsidee überhaupt. Und deshalb darf man diese beiden Begriffe beim Juden von einander nicht streng trennen. Wir haben das religiöse Moment fort und fort gehegt und gepflegt und das nationale selbstverständlich damit. Aber auf dem Gebiete der allgemeinen Gultur sind wir stehen geblieben, stehen geblieben dort, wo unsere Philosophen des Mittelalters den unglücklichen Versuch unternommen haben, die jüdische Weltanschauung mit der sogenannten griechischen zu vereinigen, sich vergebens Mühe gaben, Aristoteles mit der Thora auszusöhnen und sogar Plato in den Kauf zu nehmen. Auch da schon sind jüdische Ethik, Morallehre und Philosophie zumeist in fremdem Gewände, in der verwandten arabischen Sprache, fortentwickelt worden. Und so gieng es dann auch mit der Naturforschung, der Heilkunst und den anderen Wissenschaften. Seitdem ist alle Weit fortgeschritten auf dem Gebiete der Technik, der Naturwissenschaften u. s. w. Wir konnten jüdisch es nicht machen, sondern unsere besten Geister haben sich zu anderen Nationen begeben, dort Grosses bewirkt auf jedem Gebiete,