Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 200)
- Language
- German, English, Hebrew
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200 — lauter deshalb, weil man den Juden die Schulen versperrt hat, weil sie nicht theilnehmen können an der allgemeinen Geistes- und Fortschrittsarbeit. Wenn Sie Nothschreie ans Russland zu uns dringen hören, so ist es öfter darum, weil man dort die Juden in den Schulen und'Universitäten nur auf gewisse Percente beschränkt. Der Zionismus, der für alle Noth des Judenthums zu sorgen hat, für die geistige, die moralische, die materielle, hätte gewiss auch für die Culturnoth Sorge zu tragen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Aber, meine Herren, nur dann kann man etwas thun, wenn man seine Kräfte ehrlich und aufrichtig misst und nicht zuviel in Angriff nehmen will. Schon unsere Altvorderen haben den schönen Lehrsatz aufgestellt: fiEfön $b rOIHD n^Sn „Wenn Du gar zuviel ergreifen willst, so ergreifst Du gar nichts." Und deshalb haben wir es nöthig, uns weise Selbstbeschränkung aufzuerlegen, in der Art, dass wir uns klar werden, was wir wollen und was wir thun können, wenn nicht das Können hinter dem Wollen weit zurückbleiben und uns entmuthigen soll. Gestatten Sie mir nun den genauen Unterschied festzustellen zwischen aligemeiner üncl „jüdischer Gultur". Sie haben so oft die Frage gehört: Was ist jüdische Cuitur? Was versteht man unter Gultur überhaupt? Es ist hier nicht meine Sache, einen Professoren Vortrag zu halten. Die allgemeine Cuitur wäre wohl kurz zu definieren als der ,.Fortschritt des Menschen in der Erkenntnis seiner selbst und der ihn umgebenden Natur, in der Entfaltung seiner Kräfte und der Entwicklung der Wissenschaften, womit eine Verbesserung seiner materiellen Lage und eine ■ Vervollkommnung seines Geistes verbunden ist" — und die nationale Gultur ist eben diese allgemeine, nur dass sie eine individuelle Färbung einer bestimmten Volksgemeinschaft, eine besondere nationale Signatur annimmt. Nun erlauben Sie mir in präcisen, concisen Worten zu sagen, wie ich diese Frage beantwortet wissen will. Wir können nur dasjenige in der Gultur leisten, was ein Bedürfnis des gesammten jüdischen Volkes ist. Wir können uns nicht darauf einlassen, dass wir für die einzelnen Länder ein gewisses Programm für allgemeine Cuitur aufstellen, und den Zionisten zur Pflicht machen, dass sie es erfüllen. Wir müssen es den Angehörigen der einzelnen Länder überlassen, sich fortwährend zu entwickeln und die Erziehung ihrer Kinder in ihrem eigenen Geiste fortzuführen. Wir müssen ihnen wohl zur Pflicht machen, ja für Fortschritt und Gultur zu sorgen, aber dabei nicht ausseracht zu lassen, dass man speciell. auf den jüdischen Geist Rücksicht nehmen soll. (Lebhafter Beifall.) Wir können im allgemeinen nur unseren Wunsch, unseren Willen aussprechen, ja es zur Pflicht eines jeden Zionisten