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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1899-01-01 · 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899 · p. Seite 199

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
Date
1899-01-01
Page
Seite 199 (sequence 199)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 199 — Herren, — man zieht ja eine Uhr nicht mit einemmale auf, man macht Umdrehungen — und während dieser Pausen klappert die Uhr fort. So haben wir gewisse Zwischenpausen, und in diesen muss das Räderwerk fortlaufen und auch für die Cultur ein Licht aufgehen. Meine Herren, wollen wir uns nicht in Allgemeinheiten erschöpfen, soiidern gehen wir auf das Gebiet des Goncreten über. Wir wollen gewiss in allererster Linie das pflegen, Avas uns zusammenhalten, und mit äusserster Vorsicht das vermeiden, was uns auseinandertreiben kann. (Lebhafter Beifall.) Es ist seitens der sehr Frommen, seitens der Orthodoxen, eine besondere Furcht vor dem Worte Cultur geäussert worden. Gewiss nicht aus dem Grunde, weil sie culturfeindlich sind — das negiere ich ganz entschieden — sondern aus dem Grunde, weil sie fürchten, dass man da eine ganz eigene Cultur treiben wolle, etwa jene sogenannte Cultur der verirrten D-^D^Ö, die darin eine Grossthat erblickten, altehrwürdige Gebräuche zu verspotten und die Gefühle der Gesetzestreuen zu verletzen. Sie glauben das, weil sie nicht über unsere Bestrebungen aufgeklärt sind, und unsere Pflicht ist es, sie aufzuklären, dass sie von uns nichts zu fürchten haben. (Lebhafter Beifall.) Es ist ganz entschieden nicht richtig, wenn man glaubt, Cultur ist gleichbedeutend mit Religionsfeindlichkeit oder auch nur Religionslosigkeit. Das ist nicht wahr! Die Religion bildet einen grossen Thesl der Cultur, und wenn die Menschheit auf eine höhere Stufe der Moral gebracht wurde, so hat sie « s in erster Linie der Religion zu verdanken. Die Religion war das heilige Gefäss, durch welches die Cultur, die Gesittung, in die menschliche Gesellschaft gedrungen ist. (Lebhafter Beifall.) Aber nehmen Sie auf sich nicht die Verantwortung, sagen Sie nicht, dass Sie sich der Culturarbeit entziehen wollen. Es wäre eine grosse Sünde, auch von Religionswegen, und die Sünden habm bekanntlich die böse Eigenschaft TfOS tTFfll rH3J? d. h., dass das Uebel, fortzeugend, nur weiteres, grösseres Uebel gebärt. Der weise Koheleth sagte : b$ ffiö DTl HD 1TIK n& ran- Man soll also auf der einen Seite der Lehre huldigen, der erhabenen Lehre, auf der anderen aber auch den weltlichen Dingen Rechnung tragen, und es wäre eine grosse Gefahr, wenn Sie den Zionismus als culturfeindlich hinstellten. — Wenn Sie die Culturarbeit einsargen würden, so würde als erster Leidtragender bei dem Sarge der Zionismus selbst stehen, mit kurzen Worten: Der Zionismus wird entweder culturfreundlich sein oder er wird nicht sein! (Beifall.) Die Juden sind immer ein Culturvolk gewesen und sind in erster Linie ein Culturvolk, und wenn zu uns ein Schmerzensschrei aus Rumänien dringt, so geschieht es nicht nur, weil unsere Brüder unter Krawallen leiden müssen, sondern auch, und viel

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