Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 198)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 198 — leicht werden Sie einer der Generalredner sein, und Sie werden dann zur Sache selbst zum Worte gelangen. Eingetragen sind noch folgende Herren: Schenkin, Dr. Ettingen, Dr. Roseiibaum, Rapoport, Kurzmann, Herbst, Aschkenasi, Katzenelsohnr Goetein, Hickl, Dr. I. Marmorek, Dr. Silberstrom, Schlaposchniko\vy Dr. Schifter, Dr. Bodenheimer, Rosenfeld, Melameth, Friedländer. Diese Herren wollen sich auf zwei Generalredner einigen. Ich muss Ihnen noch eine Mittheilung machen. Es sind hier im Saale Zettel vertheilt worden, die zu einem Vortrage einladen, der den Titel hat: ,;Der socialistische Zionismus". Nun wissen wir, dass es im Zionismus, wie alle politischen und religiösen Richtungen, auch eine socialistische gibt. Ich möchte aber nicht, dass durch einen solchen leicht miss verstehbaren Zettel der Glaube verbreitet werde, dass Zionismus identisch ist mit Socialismus. Der Herr, der diesen Vortrag hält, hat gewiss nicht die Absicht gehabt, etwas Illoyales zu thun. Er hätte sich vorsichtiger ausdrücken sollen. Wir können es nicht gestatten, dass der Zionismus ausschliesslich von einer Partei mit Beschlag belegt werde, und namentlich verstösst es gegen die Gepflogenheiten in Versammlungen wie der unserigen, dass man Zettel im Saale vertheilen lässt, die vorher dem Präsidenten nicht mitgeiheilt worden sind. (Lebhafte Zustimmung.) Ich bitte, dass sich solche Fälle nicht wiederholen. Vors. Dr. Herzl: Wir können die Sitzung nicht unterbrecheu.. wenn ich Rednern, die zu den Berichten der anderen Ausschüsse eingezeichnet sind, das Wort geben soll; ich will nicht den Vorwurf auf mich laden, dass der Cultur-Ausschuss nicht zum Worte gelangt. Ich bitte zur Kenntnis zu nehmen, dass von hier aus alles geschehen ist, um den Cultur-Ausschuss zu Worte gelangen zu lassen. Das Wort hat nun Herr Dr. K a h n als Referent des Cultur- Ausschusses. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Sehr verehrte Anwesende! Ich komme jetzt zu einem Punkte der Tagesordnung, der7 ich möchte sagen, das Schmerzenskind des Congresscs ist. Auf keinem einzigen Gebiete haben die Leidenschaften ein so helles AulflamiYien genommen, sind so sehr die Gegensätze aufeinandergeplatzt, als auf diesem Gebiete, so dass die Friedliebenden unter uns sich beinahe entschliessen wollten, den ganzen Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen. Wie einmal in einer Generalversammlung von Actionären der Ausspruch gefallen istr die Moral steht nicht auf der Tagesordnung, so hat man hier schier den Satz sanetionieren wollen, die Gultur stehe nicht auf der Tagesordnung. Sie haben darum gestern aus dem beredten Munde eines berühmten Redners gehört, der gewiss ein ebenso guter Jude als er ein Freund des Fortschrittes ist, dass die Gultur eine Nothwendigkeit sei. Aber, sagte er, wenn die Uhr aufgezogen wird, steht sie stiil, und wir sind jetzt im Momente des Aufziehens, deshalb müssen wir stille stehen. Wenn wir einer solchen Uhr glichen, die jahrelang aufgezogen würde, dabei immer »tili stehen müsste, dann freilich stünde es traurig um den Fortschritt! (Lebhafter Beifall.) Aber während der Pausen, meine