Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 93)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 93 — Meine verehrten Schwestern und Brüder! Wir Zionisten sind fest überzeugt, dass wir einmal unser Ziel erreichen werden. Darum, wenn auch manchmal etwas gesagt wird, was wir nicht in kurzer Zeit, in wenigen Jahren erreichen können, so wird der Enthusiasmus nicht nur nicht nachlassen, er wird im Gegentheile sich noch steigern. (Lebhafte Schlussrufe.) Vors. Dr. Mandelstamm: Ich mache den Herrn Redner aufmerksam, dass ich ihm länger wirklich nicht das Wort geben kann. Del. Aschkenasi (fortfahrend): Ich schliesse mit dem Wunsche, der Hoffnung, dass wir mit dem Actions-Comite ganz zufrieden sein können, und dass dasjenige, was das Actions-Comite geleistet hat, weit hinausreicht über die Mittel und die Kräfte, die ihm zur Verfügung stehen. (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen.) Del. York-Steiner (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüsst): Geehrte Versammlung! Als ich mich entschlossen hatte und die Möglichkeit ersah, diesem Congresse beizuwohnen, war ich sehr neugierig auf die Enthüllungen, die ich hier in Sachen des Ahavath-Zion machen werde. Ich sage, ich selbst war sehr neugierig darauf; denn schon seit längerer Zeit drängte ich Dr. Herzl dazu, dieses Treiben durch ein kräftiges Wort und diesen Spuk durch einen redlichen Spruch endlich zu bannen. Dr. Herzl duldete aber bisher nicht, dass ich zur Sprache komme, und ich sage von vornherein: „Das ist einer der Gründe, weshalb ich Dr. Herzl in Sachen des Ahavath-Zion in Tarnow entschieden unrecht gebe." Der Ahavath-Zion wurde gegründet unter Mithilfe des Wiener Actions-Comites, und zwar wurde ich delegiert, nach Tarnow zu fahren, um die Constituierung endlich fertig zu bringen, und nach geschehener Arbeit wurde uns das Lob zutheil, class, wrenn wir unser moralisches Gewicht nicht in die Wagschale geworfen hätten, dieser Verein nicht zustande gekommen wäre. Es ist damals der Beschluss in der Versammlung aufgeworfen worden, dass ein Mitglied des Wiener Actions-Comites eo ipso Mitglied des Ahavath-Zion sein soll, und einer der dortigen Herren Doctoren hat diesen Beschluss sofort im Keime erstickt. Nach meiner Rückkehr aus Tarnow habe ich dem Herrn Dr. Herzl genauen Bericht über die Verhältnisse dortseihst erstattet, und ich sagte ihm: „Nach meiner festen Ueberzeugung haben diese Herren nichts anderes im Sinn, als unseren moralischen Einfluss dazu zu benützen, um sich eine Position zu schaffen und dann uns und unsere Sache zu verrathen." Dr. Herzl hat sehr unrecht gehabt, damals den Herren dort zu glauben und durch sein moralisches Gewicht auf dem ersten Congresse noch einen der Herren darin zu unterstützen, dass er uns weiter verräth. Ich erzählte damals in Tcirnowr, dass wir im Begriffe seien, die „Welt" zu gründen und dass die erste Nummer binnen acht Tagen erscheinen werde. Er möge mir sofort, da ich mir zuhause einen Bericht zusammenstellen werde, die diesbezüglichen Daten zuschicken. Ich bekam etwa zwei Tagß vor dem Erscheinen der Nummer der „Welt", also fast zu spät, einen Bericht, den ich noch rasch umredigierte und abdrucken Hess, und zwar deshalb umredigierte, weil uns der Schriftführer zumuthete, in unserer eigenen Zeitung Angriffe auf uns selbst abzudrucken. Ich staunte über diese Unklugheit. Binnen acht Tagen wurde mir aber bereits alles klar. Der Herausgeber einer gegnerischen Zeitschrift in Wien sprach mich auf der Ringstrasse an und sagte: „Die Herren aus Galizien schickten mir einen Bericht über den Zionistenverein, den ich abdrucken sollte. Ich aber wies sie an Ihre Zeitung." Die Herren beabsichtigten also gleich bei der Gründung des Vereines, uns in einer gegnerischen Zeitschrift anzugreifen. (Rufe: Zur Sache!) Das ist wohl sehr zur Sache. Das