Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 89)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 89 - Wir haben einen schrecklichen Kampf zu führen mit unseren sogenannten Notabein, mit unserer Plutokratie, die Wucher treibt und von der alle Juden abhängig sind. Denn die Juden sind nichts als Hamal (Träger) und Kleingewerbetreibende, die mit den Bulgaren in keine Berührung kommen. Von einem geistigen Niveau ist keine Rede. Wer sich noch des vorzüglichen Referates des verehrten Prof. Belkowsky entsinnt, wird wissen, welches Massenelend in Bulgarien herrscht, und wer die Verrohung der Juden des Orients kennt, wird wissen, mit welchen Elementen wir zu kämpfen haben, um den Zionsgedanken in die breiten Schichten des Volkes tragen zu können. Ich vermisse im Berichte— ich wiederhole dies — eben den Volksimterricht, der diesem Elend, dieser Noth abhelfen, der den eigentlichen Beweis erbringen soll, dass man in der Volksvertretung des Judentums wirklich für das Wohl des Volkes sorgt, so lange es in den Ländern sich befindet, von welchen es in die Heimat geführt werden «oll. Sollen wir denn zuhause verkommen? Wie sollen wir nach der Heimat ziehen? Vors. Dr. Mandelstamm (unterbrechend) Ihre Zeit ist um! Del. Herbst: Ich bin gleich fertig. (Fortfahrend.) Ich muss auch darauf aufmerksam machen, dass im Berichte keine Ausgaben für eine Parteipresse zu finden sind. Ja, die Länder, die über die nöthigen Mittel verfügen, die reich sind und ihr Leserpublicum haben, sind in der Lage, sich ihre Presse zu halten. Die armen Juden müssten aber nach der zionistischen Logik zugrunde gehen. Diesen dürfen wir keine Aufklärung geben. Wir müssen also unsere Mittel dazu verwenden, auch für die Mittellosen eine Parteipresse zu schaffen. (Beifall.) Im Rechenschaftsberichte sehe ich, wie gesagt, nichts von derParteipresse. (Rufe: Progresso!) Ich finde ferner auch keine Organisation im vollsten Sinne des Wortes. Ich sehe nicht, was mit jenen Millionen geschehen ist, die bei dem Volke unter dem Titel „Chowewe Zion" abgesammelt wurden. Hier wird Rechenschaft verlangt für jeden Franc, den das arme Volk für die Agitation gibt, und dieselben Herren, die da sitzen, sitzen auch in jenen Vereinen, deren Organisationen den Baseler Congress anerkennen, die Gelder aber autonom verwalten. Das jüdische Volk ist, wenn dies eine Volksvertretung sein soll, berechtigt, Rechenschaft zu verlangen. (Lebhafter Beifall.)