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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1899-01-01 · 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899 · p. Seite 85

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
Date
1899-01-01
Page
Seite 85 (sequence 85)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 85 — die in beneidenswerter Lage sich befinden, zutheil geworden (ausser «einer Schule in Botoschani seit mehreren Jahren und, wenn ich nicht irre, sechs Schulen in verschiedenen kleinen Orten und feiner Handwerkerschule in Bukarest, die erst im laufenden Jahre etabliert wurden). Wir sind daher in den meisten Städten auf die Koscherfleisch- Taxe angewiesen, die wiederum nur auf die arme Arbeiter- und Mitteidasse fällt, da die besser Situierten grösstentheils diese nicht entrichten. Mit diesen unsicheren Einnahmen müssen wir unseren Clerus, unsere Schulen, unsere Spitäler und andere Wohlthätigkeitsanstalten aushalten. Man kann sich einen Begriff machen, wie wir zu bedauern sind. Nun gehen wir heuer einem Jahre entgegen, dass sich Gott unser erbarmen möge! Die Missernte in dem grössten Theile unseres Landes kann für die Juden geradezu zur Katastrophe führen. Denn während die hohe Regierung für die rumänischen nothleiclenden Bauern durch Vorschüsse in Geld und Nahrungsstoffen, Nothbauten etc. väterlich Sorge tragen wird, müssen wir uns fragen, wer sich unserer nothleidenden Juden annehmen würde? Die Arbeiter in den Häfen von Braila und Galatz sind bereits seit Wochen ohne Beschäftigung und Brot; sie betteln bereits rudelweise in •der Form von Collectiv-Petitionen um Gewährung von Anlehen als Vorschüsse bei den Getreide-Exporteuren, natürlich ohne Aussicht, wann dies durch Arbeit abzuzahlen. Die Handwerker ruhen auch bereits seit Wochen, und hunderte emigrieren nach allen Richtungen der Windrose. Wenn wir am ersten Congresse 9000 Petitionen hier vorbrachten mit circa 50.000 Seelen, die den Wunsch kundgaben, nach dem heiligen Lande zu gehen, kann ich dreist behaupten, dass, wenn wir den Charter jetzt in Händen hätten, mehr als 100,000 Seelen reisefertig wären, die Lenden gegürtet und den Wanderstab in der Hand, darunter auch Gruppen mit bedeutenden Geldbeträgen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn durch unseren Schmerzensschrei hier den nothleidenden Juden in Rumänien von irgendwelcher Seite Hilfe gebracht würde, würden wir gewiss sehr dankbar sein. Aber eines möchten wir unsere galizischen und russischen Gesinnungsgenossen ersuchen, bei ihrer Rückkehr in die Heimat durch dortige Zeitungen, in den Synagogen etc. unsere armen Brüder zu warnen, nach Rumänien jetzt einzuwandern, und sei es auch nur temporär, wie viele es gewöhnlich thun; sie kommen jetzt nicht nur vom Regen in die Traufe, sondern geradezu in eine Ueberschwemmung, wo sie unrettbar verloren gehen. Keine jüdische Gemeinde und keine Privatwohlthätigkeit wird ihnen zu Hilfe kommen können, nach dem*bekannten : anijeiirochkodmin! Die Regierungsorgane werden daher bemüssigt sein, alle mittellosen Juden per Schub über die Grenze zu befördern, und um ein chilul haschem zu vermeiden, ist meine obige Bitte am Platze.

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