Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 64)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476260--0873-3477008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 64 — an denjenigen Punkt anknüpfen, bei dem wir gestern eigentlich abgebrochen haben. Herr Dr. Schlaposchnikow hat die Frage aufgeworfen, worin das Verhältnis des engeren Actions-Comites in Wien zu den auswärtigen Actions-Comites, bezw. zu den Mitgliedern, die in anderen Staaten wohnen, bestand. Herr Dr. Schlaposchnikow hat bloss die Frage aufgeworfen, hat sich aber nicht bemüht, die Sache weiter zu führen. Er vermisste positive Angaben darüber im Berichte. Ich glaube, bemerken zu können, dass wir darüber wohl Angaben haben, aber leider sind diese Angaben nicht positiver Natur, sondern negativer Natur. Die russischen Delegierten verweise ich zur besseren Orientierung auf Seite 10 und 11 der Protokolle der russischen Vorconferenzen in Basel. Auf diesen haben wir uns mit den Actions-Comitemitgliedern aus Russiand über ihre Thätigkeit auseinandergesetzt. Herzlich wenig konnten sie uns erzählen, viele haben Klage geführt — die Namen thun nichts zur Sache — sie wurden fortwährend umgangen, sie standen nicht in der engen Beziehung zu dem Wiener Centraibureau, wie sie es gewünscht hätten. Sie waren die Instanz, an die man sich immer nur wendete, um Befehle zur Ausführung zu bringen. Man hat sich aber nicht mit ihnen berathen, man hat nicht anerkannt, dass sie die Vermittler sind zwischen den russischen Zionisten- und dem engeren Actions-Comite. Die Actions-Comitemitglieder von Russland und den anderen Ländern haben eine wichtige Function. Sie müssen die Wünsche sämmtlicher russischer Organisationen dem Actions-Comite überbringen, damit dieses sich danach richten kann. Wenn aber thatsächlich diese Wünsche in energischer Form dem Comite überbracht wurden, so fanden diese Wünsche fast gar keine Berücksichtigung. Vors. Dr. Herzl (unterbrechend): Ich bitte dies zu specifieieren. Del. Dr. Weitzmann (fortfahrend): Es wurde auf einer Versammlung der russischen Mitglieder zu Kiew eine Note ausgearbeitet und verlangt, dass das Wiener Comite die Beziehungen des Centraibureaus zu den auswärtigen Mitgliedern regulieren möge. Lange erfolgte hierauf keine Antwort, indem es hiess, Dr. Herzl sei nicht zuhause. Als Dr. Herzl zurückgekehrt war, erfolgte ein Privatbrief, also keine officielle Antwort. In dem Briefe hiess es, dass das Verhältnis selbstverständlich werde geregelt werden; dasselbe wurde aber nicht geregelt. Die Circulare des Wiener Comites wurden regelmässig mit einer starken Verspätung versendet. Manche Mitglieder, so Dr. Bruck, erklärten, dass sie die Circulare überhaupt gar nicht oder nur einige derselben bekamen. Als Beispiel führe ich die Schekelsammlung an. Aus Wien kam eine Instruction, die Schekel müssen bis 31. Mai gesammelt werden. Die Instruction kam aber nach Russland erst zehn Tage vor dem 31. Mai. Nun ist es für den, der die Verhältnisse Russlands kennt, selbstverständlich, dass bei der dortigen Anzahl von Vereinen in zehn Tagen dieses grosse Werk nicht durchgeführt werden kann. Es trat daher eine Verzögerung ein. Man wartete noch einen Monafc, dann wurde die Sache nochmals verschoben und schliesslich, wird der Schekel noch jetat eingesammelt. Dies sind Verhältnisse, die auf die Dauer nicht bestehen können. In Bezug auf die Culturfragen, welche stiefmütterlich behandelt werden, wurden auch von der Kiewer Versammlung directe Forderungen gestellt, worauf ebenfalls keine Antwort erfolgte. Das Actions-Comite ergriff nicht nur nicht die Initiative, diese Fragen anzuregen, sondern fand es, wenn von anderer Seite eine Anregung erfolgte, nicht einmal für nothwendig, Aufklärungen den auswärtigen Mitgliedern zu geben.