Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 55)
- Language
- German, English, Hebrew
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sammen eine Million Juden, die noch ziemlich zähe am alten Glauben festhalten, die im Herzen durchwegs Zionisten sind. Wenn hier von hochgeehrter Seite gesagt wurde, es gehöre nur ein fester Volkswille dazu, um das zionistische Ziel zu erreichen, so kann ich sagen, dieser Volkswille ist in Galizien und der Bukowina vorhanden. Die Leute warten mit einer Sehnsucht darauf, die ich nicht schildern kann, dass sie hinausziehen aus dem Schmerz, dem Jammer, der Verkommenheit, mit einer Sehnsucht, die man rasch benützen muss. Denn ich fürchte, es wird die Zeit kommen, wo die Leute so abgestumpft sein werden, dass sie nicht für eine physische oder geistige Thätigkeit, noch auch für eine Herzensbegeisterung zu haben sein werden. (Lebhafter Beifall.) Vor zwei Jahren reiste ich eines Tages nach Zaleszczyki hinaus, einem Städtchen am Dniestr. In einigen Minuten hatte sich der Ruf verbreitet, ein Zionist ist da, um einen Vortrag zu halten. Da trat auf mich ein galizischer Wasserträger zu. Wer einen solchen galizischen Wasserträger gesehen, weiss, wen ich damit meine, Leute, zerlumpt und verkommen, einem Thiere ähnlicher als Menschen. Er trat also auf mich zu und sagte: Die verrückten Leute in Zaleszczyki haben eine Wasserleitung gemacht und 30 Leute sind dadurch brotlos geworden. (Hört!) Wenn im Westen eine neue Bahn, eine Wasserleitung, eine elektrische Anlage gebaut wird, so sagt man, es ist ein Fortschritt in die Stadt gekommen. Dort ist das Entgegengesetzte der Fall. Jeder Fortschritt bedeutet dort ein Abbrechen der Existenzmöglichkeit des Judenvolkes. Jede neue Einrichtung trifft dort die Juden, welchen die Existenz abgeschnitten wird. Wenn in Galizien jährlich 6000 Leute an Hungertyphus sterben, wie ein galizischer Publicist, Szczepanowski, ausgerechnet hat, so ist das noch nicht alles. Es gibt dort Leute, die dahinsiechen, die man sich scheut, zu berühren, weil etwas von ihnen ausgeht, das dem Tode ähnlicher sieht, als dem menschlichen Leben. (Hört! Hört!) Aber die Vorwürfe, welche ich gegenüber dem Actions-Comite erhoben habe, sollen nicht , der Ausdruck unseres richtigen Verhaltens gegenüber demselben sein. Ich habe bereits gesagt, das Actions-Comite kann trotz der vorgekommenen Strömungen, trotz der Kleinigkeitskrämereien auf Westgalizien rechnen, wenn es ernst arbeiten will, es kann darauf rechnen, dass in Ostgalizien und in der Bukowina eine begeisterte Schar junger Leute sich findet, die immer zur Hand sein werden, wenn man sie ruft. Wir stehen Ihnen stets zur Verfügung. Wir werden für Sie arbeiten, nicht für das Comite als solches, sondern deshalb, weil uns dieser Weg der richtigste scheint und weil wir auf diesem Wege endlich einmal etwas für das arme Judenvolk thun können. (Lebhafter Beifall.) Ich habe daher auch namens der 42 Mandatare, respective der 21 Personen aus Galizien die Erklärung abzugeben, dass wir mit jenen Quertreibereien in Galizien gar nichts gemein haben (stürmischer Beifall), dass wir uns freuen, Ihnen hier offen und ehrlich zu sagen, dass uns manchmal der Zorn zum Halse hin aufschwoll, uns aber immer wieder dachten, vielleicht lässt sich der Frieden herstellen und zusammenarbeiten. Es gieng aber nicht, und wenn ich Ihnen sage, die Schuld liegt nicht an uns, so können Sie mir glauben, wenn Sie das Treiben jener Herren verfolgt haben. Die Schuld lag daran, dass die Leute auch zu jenen gehören, die mit ihrem kurzsichtigen Blick nur über die Nase hinübersehen, zu jenen, die glauben, dass, wenn sie 10 Familien hinausgeschafft haben, sie dem Massenelend gesteuert haben. Aber sie erreichen das Entgegengesetzte. Es ist ruchbar geworden, dass es den Leuten dort schlecjht geht, dass sie nicht das Brod haben, dass sie hungern müssen, und das hat uns geschadet. Die Leute sagen jetzt, Palästina eignet sich