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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1899-01-01 · 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899 · p. Seite 54

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
Date
1899-01-01
Page
Seite 54 (sequence 54)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 54 — stellt, die gerne jedem Rufe folgen, die ihm immer und überall folgen werden, wenn Sie ihnen nur, was dringend noththut, die genügende Unterstützung angedeihen lassen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich habe beispielsweise mich zu beklagen, dass bezüglich der Presse für uns ziemlich wenig gethan wird. Unser gewiss grossartiges Parteiorgan die „Welt" wird von der grossen Masse der Bevölkerung in Galizien nicht verstanden. Die Leute besitzen kein Organ, das bei ihnen im Lande erscheint, das auch für sie die localen Angelegenheiten in entsprechender Weise behandelt und das sie langsam und sicher zum Zionismus hinüber führt. Die theoretischen Erörterungen der „Welt" sind unserer Bevölkerung einfach unverständlich, und das Actions-Comite hätte darauf seine Aufmerksamkeit lenken müssen,- für Galizien und die Bukowina Organe zu schaffen oder zu unterstützen, welche in der Lage wären, täglich oder wenigstens wöchentlich die Juden in Galizien über den Zionismus zu belehren. Ich erinnere mich, dass, als wir die Subscription begannen, wir uns nach Wien wandten, man möge uns einen Agitationsredner herunter senden, dass sehr viel geleistet werden könnte, wenn wir eine derartige Kraft, mit der nöthigen Autorität ausgestattet, bei uns hätten. Wir, die wir uns in den Dienst unserer Sache gestellt haben, sind einerseits auch Berufsmenschen? denen es nicht gestattet ist, überall und immer wieder zur Verfügung zu stehen, andererseits aberhaben wir uns auch schon ein bisschen abgenützt. Wir sprechen täglich, wöchentlich, monatlich, unsere Namen figurieren in allen Zeitungen, auf Placaten u. s. w. und es ist daher kein Wunder, dass einer, wenn er auch über etwas mehr Suade verfügt und auch einen grossen Anhang hat, mit der Zeit doch nicht mehr so zieht. Es ist bei uns eine Judenschaft, die intelligent ist und leicht für die Sache gewonnen werden könnte, die von gewissen lächerlichen Assimilationsgedanken bereits glücklich befreit ist. Wenn wir uns aber mit solchen Begehren an das Actions-Comite wandten, so war die Antwort: „Wir bedauern, wir haben selbst für uns zu viel zu thun". Hochverehrte Herren! Wien ist gewiss ein Punkt, der verdien t7 erobert zu werden. Es sind ja über 100.000 Juden in Wien. Vergessen Sie aber nicht, dass das Schwergewicht unserer Bewegung im Osten liegt und dass immer an diejenigen gedacht werden muss, die im Osten im grössten Elende, in der bittersten Noth, in einem wahren Massenelende verkümmern, das sich nicht schildern lässt. Ich habe dem Actions-Comite aber auch vorzuwerfen — ich gebrauche absichtlich diese scharfen Ausdrücke, damit man. nicht sage, dass ich irgendwie dem Actions-Comite zuliebe spreche, weil ich beabsichtige, zum Schlüsse meiner Ausführung — das kann ich zur Beruhigung des Actions-Comites schon jetzt verrathen — ein Vertrauensvotum für dasselbe zu beantragen — ich habe also dem Actions- Comite vorzuwerfen, dass es für die Organisation im Lande ziemlich wenig gethan hat. Die ostgalizischen Zionisten haben zwar gehörig gearbeitet, aber der Verband zwischen den einzelnen Gruppen einerseits, zwischen Galizien und Bukowina, die enge bei einander liegen, andererseits ist viel zu locker, als dass man sagen könnte, es ist wirklich eine festgefügte in alles hineinreichende Organisation. Es ist das ein Arbeiten bei uns auf eigene Faust. Wenn ich in der „Welt" lese, Dr. H e r z 1 ist nach London oder Berlin gefahren — si licet parva componere cum magnis — da mache ich eine Reise vom Bojan nach Sadagura oder irgend wohin und halte dort meine Agitationsrede. Man greift eben zu der nächsten Gelegenheit, wo man glaubt, etwas thun zu können. Von einem festen planmässigen Arbeiten kann unter solchen Umständen keine Rede sein. Galizien und die Bukowina haben zu-

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