Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476260--0829-3476964- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 20 — im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen. Vielfach hat man bisher bloss die Stimme unserer Gegner gehört, und da bekanntlich ein Mann, der schreit, mehr Lärm macht, als tausend Leute die schweigen (Lebhafte Heiterkeit), so haben selbst gutgläubige Beobachter schwer den Irrthum vermeiden können, die Bedeutung unserer Gegner im jüdischen Volke zu überschätzen. Wir müssen deshalb ununterbrochen daran arbeiten, die Welt immer wieder darüber aufzuklären, das* nicht die Gegner des Zionismus, sondern die Zionisten das jüdische Volk verkörpern. (Tosender Beifall und Händeklatschen.) In der jüdischen Ueberliefernng tritt beständig in mannigfachen Formen der Gedanke zutage, dass eine winzige Minderheit der lebendige, der wesentliche, der allein ausschlaggebende Theil des Volkes ist. Nicht den 92.U00, auch nicht den 10.000, sondern den 300 Kriegern Gideons wird die Aufgabe zugetheilt, die Amalekiter zu schlagen. (Tosender Beifall und Händeklatschen.) Unsere Rabbinen sind noch ausschliesslicher und behaupten, das Los des ganzen Volkes sei auf 36 Gerechte gestellt. (Tosender Beifall und Händeklatschen.) Es könnte dem höchsten Ehrgeiz der Zionisten genügen, die 36 Gerechten zu sein, durch die allein das ganze Volk lebt (Tosender Beifall und Händeklatschen), die 300 Gideons-Streiter zu sein, die allein für das ganze Volk kämpfen und siegen. Aber wir müssen damit rechnen, dass dieser stolze Aristokratismus unserer Ahnen, der nur die Minderheit anerkennt, vielen zu fein und zu vornehm ist, und dass dem grobem Sinne nur die Mehrheitsbrutalität imponiert. (Lebhafter Beifall.) Zeigen wir daher, dass wir nicht bloss die wenigen Auserlesenen für uns haben, die gewogen werden und mit denen unsere Weisen sich begnügten, sondern auch die vielen, die gezählt werden und an die. allein das Zeitalter des allgemeinen Stimmrechts glaubt. Befriedigen wir zugleich die aristokratische und die demokratische Anschauung. Wir können es, wenn wir nur wollen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich habe gesagt: Unser grosses Machtmittel ist heute der Volkswiile. Halten wir nun einen Maitag 0mit unserem Volke ab, prüfen wir in einer aligemeinen Heerschau seine Gliederung, seine Bewaffnung, seinen Geist, damit wir genau wissen, mit welchen Streitkräften wir zu Felde ziehen. Es muss auf den ersten Blick befremden, dass die Millionen des jüdischen Volkes sich noch nicht ausdrücklich für den Zionismus erklärt haben. Unsere Gegner deuten diese Enthaltung als Absage. Wir könnten sie wohl mit besserm Rechte als Zustimmung deuten. Es ist aber tief betrübend, dass wir überhaupt auf Deutungen angewiesen sind. Warum erheben diese Millionen nicht ihre Stimme? Warum sagen sie nicht laut: „Wir sind