Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ausdruck geben konnte. Nun ist ein Jahr verstrichen. Die Friedensidee hat ihren Weg in die Wirklichkeit hinaus begonnen, und das ist schon sehr viel, auch wenn sie noch nicht am Ziel ist. Uns aber mag das Beispiel als eine Lehre der Geduld dienen. Wenn die Grossen dieser Erde sich mit langsamen Fortschritten ihrer höchsten Ideen begnügen, wie zufrieden müssen wir armen Leute sein, wenn wir feststellen können, dass es doch ein wenig vorwärts geht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir müssten unsere Arbeit also unverdrossen fortsetzen, auch wenn es in dem abgelaufenen Jahre keine äusserlich merkbaren Fortschritte gegeben hätte. (Bravo! Bravo!) Auch wenn nichts vorgekommen wäre, was ein Erstarken unserer Bewegung, einen Zuwachs ihres Ansehens und ihrer Mittel bedeutete, müssten wir unverdrossen fortarbeiten. (Allgemeine Zustimmung und Applaus.) Aber dieses Jahr ist kein schlechtes für unsere Bewegung gewesen. Es war ein gutes Jahr. Wir haben einiges erreicht, wir sind um ein Stück weiter gekommen. Ein bedeutendes Ereignis, das von unseren Gegnern wie gewöhnlich theils verschwiegen und theils entstellt in die Oeffentlichkeit gebracht wurde, war der Empfang der zionistischen Abordnung durch Se. Majestät, den deutschen Kaiser in Jerusalem. (Jubelnder anhaltender Beifall, stürmischer Applaus und Händeklatschen.) Schon die Thatsache allein, dass der geniale Kaiser seine Aufmerksamkeit unserem Volksgedanken zugewendet hat, wäre genügend, uns einige Zuversicht zu geben. Geringfügige Bewegungen werden aus solcher Höhe nicht bemerkt. Aber es ist mehr als eine blosse Kenntnisnahme erfolgt. (Sehr richtig! Laute Zustimmung und lebhafter Beifall.) Es wurde nicht irgendeine jüdische Deputation, es wurden nicht die Mitglieder irgendeines „praktischen'1 Golonisationsvereines empfangen, sondern die Abordnung des zionistischen Actions-Comites. (Stürmischer Beifall.) Die Gründe und Ziele unserer Bewegung waren vorher genau bekannt, und Seine Majestät der deutsche Kaiser hat uns daraufhin an einem für das gesammte Judenthum denkwürdigen Tage sein wohlwollendes Interesse zugesichert. (Lebhafter, langanhaltender Beifall und Händeklatschen im Saale und auf der Gallerie.) Dafür sind ihm alle wahren Juden .zur Dankbarkeit verpflichtet. (Stürmischer Applaus — die Versammlung erhebt sich.) Geehrte Congressmitglieder! Sie werden verstehen, dass es ein Gebot der Schicklichkeit, ist, die glückliche und bedeutsame Thatsache des unter solchen Umständen erfolgten Jerusalemer Empfanges nicht agitatorisch auszunützen. (Allgemeine Zustimmung.) Wir wollen uns daher enthalten, hier irgendeine Discussion daran zu knüpfen. (Beifall.) Eines müssen wir in unserer freudigen Dankbarkeit aber dennoch hervorheben: Die vollkommene Legalität