Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German, English, Hebrew
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_ 4 — wachen will. Es mochte anfangs scheinen, vielleicht scheint es manchem auch jetzt noch so, als ob nicht viel damit gethan wäre,, dass wir hierherkommen und Reden halten, Reden voll von Seufzern. Aber diese Zweifler übersehen, dass auch in anderen Vertretungskörpern nur geredet wird. Und wer wird leugnen, dass Reden von solcher Stelle den stärksten Einfluss auf Gegenwart und Zukunft des Volkes ausüben? Aus dieser Erkenntnis haben wir uns bemüht, uns eine Stelle zu schaffen, von der unsere Worte gehört werden: diese jüdische Tribüne! Da unser Volk nicht in das Leben der Vorzeit zurückkehren,, sondern zum Leben der Gegenwart erwachen soll, musste es vor allem solch ein modernes Organ erhalten, um den Willen zum Dasein äussern zu können. Darum ist diese Tribüne ein kostbares. Gut, das wir uns erworben haben. Hüten wir es wohl! Durch den Ernst und die Ruhe unserer Berathungen können wir das Ansehen dieser Tribüne immer höher heben. Durch Unbesonnenheit und Gezanke würden wir es rasch zerstören. Die Tribüne wird so hoch sein wie die Reden, die man auf ihr hält. Unseren Worten verleiht keine äussere Macht Nachdruck; wenn eie also irgend eine Bedeutung haben sollen, kann es nur von der inneren Macht der Idee kommen und von der Reinheit der Gesinnungen, welche hier verkündet werden. Das muss sich jeder von uns beständig vor Augen halten, wenn er hier für das jüdische Volk und zum jüdischen Volke sprechen will. Auch ein anderes. Wir sind hier nicht, um uns mit den inneren Vorgängen der einzelnen Länder, deren Bürger wir sind, zu beschäftigen. Jeder solche Versuch wäre ein schwerer Fehler und würde nur dazu dienen, falsche Vorstellungen von unserem Congresse hervorzurufen. Wir sind hier lediglich, um über die Lage unseres Volkes zu berathen und eine ebenso gesetzliche wie menschenfreundliche Lösung unter der Controle der öffentlichen Meinung vorzubereiten. Dass wir nichts anderes vorhaben, das wurde durch all unser bisheriges Thun und Lassen erhärtet. So ziehen wir selbst unseiem Wirken die unanfechtbaren Grenzen: Wir wollen uns um das Wohl des jüdischen Volkes bemühen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Das ist unser Recht. Es ist auch unsere Pflicht. (Erneuerter Beifall und Händeklatschen.) Dass diese Art, allgemeinen Schwierigkeiten durch einen internationalen, freimüthigen Gedankenaustausch der Betheiligten beizukommen, dem sittlichen Bewusstsein der jetzigen Culturmenschheit bereits entspricht, das konnte man wahrnehmen, als der Friedensvorschlag Sr. Majestät des Kaisers von Russland die Welt erfreute. (Lauter Beifall und anhaltendes Händeklatschen.) Sie erinnern sich, dass wir hier versammelt waren, als dieser grossgedachte Vorschlag bekannt wurde, und dass der Zionisten- Longress die erste Körperschaft war, welche ihrer Begeisterung