Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 224)
- Language
- German, English, Hebrew
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wegung hineintragen will. Das ist nicht richtig. Vielmehr ist das Gegentheil richtig. Die Ciassenfrage in unserer Gesellschaft besteht . . . Vors. Dr. Herzl: Herr Dr. Landau (Rufe: Schluss!), es scheint mir nicht zulässig, dass Sie jetzt einen Vortrag über die Ciassenfrage halten. Wollen Sie zur Agitation sprechen. Del. Dr. Landau: Ich spreche zur Agitation und ich glaube, dass das damit im Zusammenhange steht und glaube, dass es meine Pflicht ist, auf Dinge, die hier in der Luft liegen und die von meinen folgenden Rednern werden erwähnt werden, schon von vornherein zurückzukommen. Im übrigen glaube ich, dass die Redefreiheit keineswegs eingeschränkt worden ist (Schluss!-Rufe) und ich kann Sie versichern, ich würde es bedauern, nicht in meinem Interesse, aber im Interesse unserer gesammten Bewegung, wenn hier so wenig moderne Ideen vorherrschen würden, dass man eine derartige hochwichtige Frage einfach über's Knie brechen will. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Widerspruch.) Vors. Dr. Herzl: Herr Dr. Landau, wir sind bereit, die Nacht zu opfern, um über den Zionismus zu reden; aber wenn wir auch die ganze Nacht aufbleiben, werden wir die sociale Frage nicht lösen. (Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) Dr. S. R. Landau : Dies ist auch nicht meine Absicht. Ich kann Sie versichern, wenn meine Aufgabe die Lösung der socialen Frage wäre, so wäre mein Platz nicht hier, sondern auf dem Socialistencongress. (Schlussrufe.) Ich glaube aber, dass durch ein derartiges Mittel gerade die Classengegensätze im Judenthume gemildert werden könnten. Wir müssen uns in erster Linie fragen: Liegt uns daran, die jüdischen Arbeitermassen für den Zionismus zu gewinnen oder nicht? Wenn wir diese Frage bejahen, so ist es eine Frage der Taktik, durch welche Mittel dies am besten geschieht. Meine Ansicht geht dahin, dass das einzige Mittel die Gründung zionistischer Arbeitervereine ist. Ich glaube, dass wir damit zwei Aufgaben erfüllen. Es ist das Eigenthümlichste und für die Lage der jüdischen Arbeiter am charakteristisehesten, dass die fluetuierenden Elemente die industriellen Arbeiter sind. Nach einigen Stichproben, die in Wien von mehreren Freunden vorgenommen wurden, wurde festgestellt, dass von den Arbeitern, die aus Galizien in den letzten zehn Jahren nach Wien eingewandert sind, nicht einmal zehn Percent in Wien geblieben sind. Es ist auch charakteristisch, dass die Baron Hirsch-Stiftung alle hundert Zöglinge alljährlich nach verschiedenen Ländern exportieren muss. Daraus geht hervor, dass gerade diese jungen Elemente, wenn sie mit dem zionistischen Dogma durchtränkt würden, durch ihre Verbreitung über die weite Erdkugel zu den besten Aposteln des Zionismus gemacht würden. Ich verweise weiter darauf, dass, solange der jüdische Arbeiter noch nicht die Möglichkeit hat, nach Palästina auszuwandern, wir ihm die Möglichkeit schaffen müssen, dass, wenn er irgendwo hinkommt, er nicht gezwungen ist, an die Gemeinden oder an die Reichen sich zu wenden, um Almosen zu erhalten, sondern, dass er sich an die Bruder- Vereine wenden kann, damit sie ihm Arbeit verschaffen. Diese Aufgabe wird dadurch erfüllt, dass damit — die bestehenden zionistischen Arbeitervereine haben dies acce}Dtiert — eine Arbeitsvermittlung verbunden ist. (Lebhafte Schlussrufe.) Ich spreche dies nur für diejenigen, die sich dafür interessieren und glaube, dass doch einige Herren hier sind, die für diese Frage Interesse empfinden. Meine verehrtesten Damen und Herren! Ich bitte, noch eines zu bedenken. Wenn wir die Colonisation vornehmen, werden wir in Palästina auch eine entsprechende Anzahl von qualifieierten .Arbeitern nach