Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 214)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 214 — einreden will. sein, sondern diese Culturmission wird nur darin bestehen, dass. wie wir einst die Cultur von Asien nach Europa gebracht haben, wir jetzt die Cultur. die wir in Europa in uns aufgesaugt haben, die wir in Europa mit ausgebaut haben, wieder durch dieselben Leitungscanäle nach Asien zurückführen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) So. verehrte Delegierte, verstanden wir es, wenn wir sagten, dass der Zionismus sich auf der Höhe der modernen Cultur befindet. Und nun haben wir weiter nichts gethan, als bloss die Consequenzen gezogen aus diesem Begriffe. Indem wir uns sagten, dass der Zionismus eine versöhnende Strömung ist, ein versöhnender Gedanke, da sprechen wir es auch gleich aus, wie wir das verstehen, dass wir keine Disharmonie hier hervorrufen wollen zwischen den einzelnen. Parteien. Gewiss, wir Foa*tschrittler sind nicht aggressiv. Wenn man von uns Tolerauz. verlangt, ist das vielleicht nicht an die richtige Adresse gerichtet. Denn wir sind tolerant genug. Freilich, es ist in unserer Versammlung gestern und heute häufig ein Misston gefallen, wo wir uns sagen mussten, dass der Fanatismus und die Intoleranz gerade auf der linken Seite sieh befinden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vicepräs. Dr. Nordau: Gestatten Sie mir, dass ich Sie unterbreche.. Die richtigste Toleranz ist die, die nie von sich spricht. Del. Rabb. Dr. Thon: Gestatten Sie mir, dass ich unseren Orthodoxen ein Wort zurufe und sie bitte, an uns heranzutreten, an unsere Individualitäten, an einzelne Personen, mit manchen Anforderungen, die wieder einmal den Beweis liefern, dass sie nur die dominierende Stellung einnehmen wollen, während wir pares inter pares sein wollen. Wenn die Herren mit Pathos dagegen protestieren, dass der eine oder der andere mediale schabes gewesen, so mag es ein berechtigter Protest; gewesen sein mit Rücksicht auf die Gefühle der Betreffenden, die verletzt wurden. Aber da hat nicht der Zionismus mechale schabes gewesen^ sondern einzelne Zionisten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich bin überzeugt und der festen Zuversicht, dass der Zionismus £erade diese Plattform ist, auf der sich endlich einmal das ganze Judenthum finden wird, das Judenthum, das nicht nur geographisch zerstreut ist, sondern dieses Judenthum, das auch gedanklich und moralisch zertrennt ist. Dieses Judenthum wird sich wTieder einmal concentrieren und sammeln, und wenn diese ganze geistige Kraft, welche dem jüdischen Volke innewohnt, wieder einmal concentriert und gesammelt ist, wird wieder eine Zeit kommen, \vo wir Jesaiasse aus unserer Mitte hervorbringen werden, wo das Judenvolk wirklich wieder herrschen wird unter den Völkern der Erde. (Lebhafter Beitall und Händeklatschen.) Del. Schach : Verehrte Damen und Herren! Es ist eine wunderliche Stimmung, in der wir uns zu dieser Stunde befinden, matt und abgespannt und schwach, wir haben unsere Kräfte fast erschöpft, und doch ist es ein Thema, das frisch und erfrischend auf das Judenvolk wirken soll, das Thema der jüdischen Culturverjüngimg. Ich muss es aufrichtig bedauern, dass dieser wichtigste Punkt gerade am Schlüsse kommt. Meine Damen und Herren, es ist hier viel gesprochen worden, aber ich glaube, das Gebiet ist lange noch, nicht erschöpft. Vor allem halte ich die Auseinandersetzungen über Orthodoxie- und freies Judenthum hier absolut nicht für angebracht. (Beifall.) Meine Herren! Jeder ehrliche Zionist behält seine Religion für sich und lässt dem anderen seine Religion. (Beifall.) Jeder gebildete- Zionist weiss, dass es Pflicht der Bildung ist, keine religiösen Gefühle zu verletzen, aber andererseits ist es doch gewagt, hier am Congress das religiöse Moment zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Es würdeso aufgefasst, als ob die ganze Cultur ausschliesslich auf die hebräische