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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898 · p. Seite 212

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
Date
1898-01-01
Page
Seite 212 (sequence 212)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 212 — Vors. Dr. Nordau: Ich bitte nicht gleich, sondern sofort, Redeübungen können hier nicht stattfinden. Del. Juchnigg (fortfahrend): Der Talmud gibt als Motiv an, warum die Juden aus Aegypten (Lebhafte Schlussrufe). Vors. Dr. Nordau: Ich entziehe dem Redner das Wort. Als; nächster Redner ist Herr Awinowitzki eingetragen. Er hat das Wort. DeL Awinowitzki (spricht russisch). Rabb. Seph (spricht russisch). (In deutscher Uebersetzung): Was die Culturfrage anbelangt, ist von grösster Wichtigkeit die Schaffung von Turnvereinen; abgesehen von dem hygienischen Werte des Turnens könnten diese Vereine das Nationalbewusstsein aufs kräftigste stärken und zur VerwMdichung unserer nationalen Aufgabe beitragen. Was nun die Colonisation betrifft, muss man sagen, dass das. Nationalb ewusstsein der Juden durch den Gedanken des freien, selbständigen Staates eine mächtige Förderung erfahren würde. Die Erziehung des jüdischen Volkes im Geiste der Selbständigkeit ist so wichtig, dass das jüdische Volk die Organisation seiner Autonomie sogar in einem anderen Lande als Palästina mit Entzücken begrüssen würde. Israel könnte, wenn es für die Selbständigkeit reif geworden, ein herrlicher Vollstrecker der zionistischen Ziele werden. Aber vor allem darf man nicht vergessen, dass Israel das Volk der Bibel ist, dass diese Bibel mit dem jüdischen Lande, mit Palästina organisch verbunden ist. Darum wäre mir die einfache Colonisation des heiligen Landes durch die Juden, wofern sie dort die gewöhnlichen Bürgerrechte besässen, unendlich lieber, als ein ganzer jüdischer unabhängiger Staat, der aber ausserhalb Palästinas läge. Gibt uns die Türkei grössere Rechte, desto besser; sicher ist jedenfalls, dass Palästina uns zu theuer ist, als dass wir seine Colonisation deshalb aufgeben würden, weil wir noch nicht die Autonomie erlangt haben. Wir wollen Palästina um jeden Preis. Darum sind wir verpflichtet, unsere Wünsche zu massigen. Trotz der grossen Rednergabe des Herrn Dr. Gaster darf man nicht glauben, dass der Conflict zwischen den Tendenzen der Thora und denen der modernen Cultur beendet sei. Die moderne Civilisation gestattet nicht die Einführung des religiösen Momentes in die nationale Gesetzgebung. Dagegen finden wir in der Bibel die Beziehung zwischen Religion und Gesetzgebung im Sabbath. Desgleichen führt die Thora das religiöse Moment in die Erziehung der Kinder ein. Herr Dr. Gaster hat uns versprochen, dass der Zionismus der Thora nicht schaden würde. Aber die Thora stellt in Wirklichkeit mehr Ansprüche. Sie identifiziert sich mit Israel, mit dem jüdischen Volke; darum verlangt sie, dass der Zionismus als eine Bewegung des jüdischen Volkes zur Grundlage die Thora, den Judaismus, habe. Dieser Conflict wird noch viel Mühe, Arbeit, Thatkraft und Kampf erfordern, bis er beseitigt sein wird. Diese Arbeit, die Bibel mit der modernen Civilisation in Einklang zu bringen, ist eine gigantische Aufgabe, für welche die Zukunft arbeiten wird. Zum Schlüsse will ich noch meine persönliche Meinung ausdrücken. Ich glaube, dass man in dieser Frage im Namen der Thora Stellung nehmen muss, denn nach meiner Ueberzeugung ist Israel das Volk Gottes, das Volk der Bibel; deshalb muss die Regeneration Israels in den traditionellen und geheiligten Bahnen der Thoia vor sich gehen.

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