Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 211)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476258--0761-3476895- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 211 - Der Antrag lautet (liest): „Es sei eine Commission aus fünfzehn Fachmännern zu bestellen, welche seitens des Congresses mit der Aufgabe betraut werde : 1. Den ganzen Wortschatz aus unserem Schriftthume wissenschaftlich nach den Principien der modernen Lexikographie historisch, philologisch und kritisch zusammenzustellen. In diesem Gesammtwörterbuche sollen die Wörter ausführlich hebräisch «erklärt und mindestens mit einer lateinischen Uebersetzung versehen sein. 2. Die neuen Worte und Bezeichnungen, welche für moderne, wissenschaftliche, insbesondere auch technische Begriffe gebildet wurden, zu fixieren. 3. Principien festzustellen, nach welchen diejenigen Fremdwörter, deren Aufnahme infolge ihrer allgemeinen Herrschaft in alltn Cultursprachen oder infolge wissenschaftlicher Notwendigkeit, letztere mangels einer entsprechenden neuen Wortbildung geboten erscheinen, in die hebräische Sprache erfolgen soll. 4. Eine allgemein giltige Aussprache vorzuschlagen, welche alle Abweichungen, die das gegenseitige Verständnis erschweren, abzuschaffen geeignet erscheint. 5. Die Vorarbeiten, für welche der Congress die Kosten bestreitet, müssen dem nächsten Gongresse vorgelegt werden. 6. Die Commission soll dann die Kesultate ihrer fortschreitenden Arbeiten in einer periodischen Druckschrift, möglichst in einer Monatsschrift, veröffentlichen." Vors. Dr. Nordau : Die Debatte wird über alle 3 Vorschläge gleichzeitig geführt. Als erster Redner ist Herr J u c h n i g g vorgemerkt; er hat das Wort. Del. Juchnigg: Als das Judenthum in religiösen Verfall gerathen ist. entstand die „Grosse Synode" n^TUn TiD^D"V£?3K? welche den Ritus und die religiösen Satzungen auf Grund der Bibel und Tradition herstellte und so das Judenthum in dieser Beziehung neu belebte. Diese •edle Aufgabe, diese hehre Mission, stellt sich jetzt der Baseler Congress; nur in einer anderen Richtung. Grosse Männer sahen den Verfall des Judenthums in nationaler und politischer Beziehung — sie sahen, wie die Juden tyrannisiert und geknechtet werden, und dadurch ihr nationales Bewusstsein allmälich •verlierenmüssen, und sie schufen den Baseler Congress! Die glückliche, man kann sagen göttliche Idee zeigte Wunder! — Wie durch einen •elektrischen Strom wurde das jüdische, nationale Gefühl in allen Welttheilen ins Leben gerufen. Von Osten und Westen, Norden und Süden, reichen sich unsere Brüder die Hände. Ein Gedanke belebt sie. Ein Gefühl regt sich in ihnen, das Gefühl: der ewige Jude lebt! — Ja, der ewige Jude lebte — Vors. Dr. Nordau : Ich ersuche den Herrn Redner bei der Sache zu bleiben; wir haben keine Zeit zu verlieren. Del. Juchnigg (fortfahrend): Ja, der ewige Jude lebt . . . Vors. Dr. Nordau : Ich mache den Herrn "Redner aufmerksam, dass ich ihm das Wort entziehen werde, wenn er nicht zur Sache spricht. Del. Juchnigg: Ich komme gleich zur Sache. 14*