Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 205)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 205 - Prisma, wo keine scharfen Kanten vorliegen, durch welche das Licht bricht, haben wir das wunderbar einheitliche Licht des Tages. So ist es mit dem einheitlichen Lichte der Wahrheit, dem einheitlichen Lichte des Glaubens. Ohne diesen innerlichen Zusammenhang können wir uns den Zionismus als solchen nicht denken, jedenfalls nicht lebenskräftig denken, wir können nicht einen Augenblick annehmen, dass er gerade diesen Theil seines- Lebens abgeben kann, ohne damit auch das Hauptelement abgegeben zu haben. Wir dürfen uns von der momentanen Begeisterung, von dem Ptausche nicht hinreissen lassen, den uns dieser Gedanke des Zionismus vielleicht eingeflösst hat; wenn es eine bleibende Bewegung sein soll, muss es ans Bleibende, ans Ewige anknüpfen,, wenn es eine Thatsache sein soll, weiche in die Geschichte eingreifen soll, muss es auch auf geschichtliche Thatsachen zurückgeführt, mit der geschichtlichen Tradition verknüpft werden.. (Beifall.) Es geht eine wunderbare Sage von dem Münster in Strassburg: Es heisst, dass tiet unten, am tiefsten Grunde des Gebäudes sich ein Stein findet, ein einziger Stein. Wenn darauf geklopft wird, auch nur leise mit dem Hammer, dann geht ein Beben und ein Zittern durch das mächtige Gebäude, und die gewaltigen Thürme schwanken und bewegen sich; es ist der Grundstein des Münster! Tief in unserem Herzen liegt der religiöse Glaube und wenn daran mit dem Hammer geschlagen wird, wankt das ganze Gebäude des Zionismus, der Thurm und der Münster zugleich. (Lebhafter Beifall.) Aber es soll daran nicht gerüttelt und geklopft werden,, wir müssen uns dazu einverstehen, uns gegenseitig zu achten in unserer religiösen Freiheit, wir respectieren und wünschen die individuelle absolute Geistesfreiheit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir wollen unter keiner Bedingung in das individuelle Leben des einzelnen eingreifen. Die Zeit der Inquisition ist vorüber und auch eine entfernte Nachahmung darf nicht geduldet werden. (Beifall.) Aber Toleranz heisst gegenseitig (Beifall), eine Toleranz kann nicht einseitig sein; wo es dem einen gestattet und dem andern verboten, da ist keine Toleranz. (Bravo, Bravo!) Wir wünschen gegenseitig absolute Toleranz zu üben, wir müssen der Welt ein Beispiel liefern, wie wir uns gegenseitig achten können, wenn auch wir persönlich in unserem religiösen Leben auf extremen Punkten stehen. Es handelt sich nicht darum., und wünsche ich auch nicht, dass dieser Bewegung ein religiöser Charakter aufgezwängt werde. (Beifall.) Ich will nicht missverstanden werden; es handelt sich wenigstens uns — nicht darum, jeden.