Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 204)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 204 — Es sehnt sich in erster Reihe darnach, Schulen zu erreichen; (Lauter Beifall.) Als die erste jüdische Golonie in Palästina, als die erste jüdische Colonie in Argentinien errichtet wurde, fragte das Volk nicht: Wo werden wir wohnen, wo werden wir uns vor den Stürmen des Winters schützen? Das Volk fragte: Habt ihr ein Schulhaus gebaut für unsere Kinder? (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Nun, meine Damen und Herren, ein Schulhaus nicht bloss für die Kinder einzelner Colonien, aber ein Schulhaus für alle Kinder Israels soll der Zionismus werden. (Lauter, wiederholter Beifall und Händeklatschen.) Darum identificieren wir Cultur mit Zionismus, darum sagen wir, dass mit dem Zionismus der culturelle Fortschritt unzertrennlich verbunden ist; wir Zionisten geben nichts von den Gütern auf, von der geistigen Errungenschaft dieses oder vergangener Jahrhunderte, aber mit dem Vorbehalte, dass sie vollständig in unserer Weise assimiliert worden sind, mit dem Vorbehalte, dass diese Cultur vollständig in unser Fleisch und Blut übergegangen ist, dass wir sie vollständig jüdisch assimiliert, dem jüdischen Geiste angepasst haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Was führt uns hier zusammen, was liegt in dem tiefsten Innern unseres Herzens verborgen? Nicht das gemeinsame Band der Liebe allein, das haben die anderen Völker auch, nicht bloss, dass wir uns politisch und national regenerieren wollen: es existiert ein geheimes Band zwischen uns, welches gar nicht geheim ist. Wir brauchen es nicht auszusprechen, weil wir es alle fühlen: Es ist die religiöse Gemeinschaft und die religiöse Tradition. (Beifall.) Ich will damit nicht gesagt haben, dass wir alle auf demselben religiösen Standpunkte stehen; denn sonst wäre das nicht eine Vertretung des gesammten Judenthums in allen seinen Erscheinungen. Ich sage bloss, dass in dem tiefsten Innern unseres Gemüthes die Saite bebt, noch das Echo von den alten Harfen, die die Leviten aufgehängt hatten auf die Weiden von Babylon. Sobald der Wind des Leidens daran streift, hören wir sie klingen, durch unser Herz und unser Gemüth. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) So haben wir diese Harmonie geschaffen, die uns hier zusammengeführt hat und diese soll unzerstört bleiben. (Beifall.) Harmonisch wollen wir zusammengehen; wenn auch manche von unseren Brüdern, wie ich eben höre, gegen die Harmonie protestieren, die Disharmonie, wenn sie geschickt gespalten wird, löst sich in absolute Harmonie auf, das wird Ihnen jeder Tonkünstler sagen, (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) und die mannigfaltigen Farben des Regenbogens erscheinen uns blos deshalb sichtbar, weil sie sich durch das Prisma brechen. Wo kein