Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 206)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 206 — «einzelnen in dem Momente, wo er Zionist wird, durch irgend welchen Beschluss zu einem religiösen Leben zu zwingen, das individuelle religiöse Leben geht uns nichts an. (Lebhafter Beifall.) Der Zionismus ist nicht der Ausdruck einer Partei, er ist nicht der Ausdruck einer individuellen Anschauung, er darf nicht einer einzelnen Geistesrichtung entsprechen, denn dann hört der Zionismus auf, der Ausdruck des gesammten Jüdenthums zu sein. {Allgemeine Zustimmung.) Er muss aber in seinem innersten Bestandtheil den Stein halten, an welchem nicht gerüttelt werden kann, verborgen, wenn Sie wollen, unten, aber der Hammer darf -darauf nicht klopfen. (Lebhafter Beifall.) Um was handelt es sich uns zumeist? Wir wollen Cultur- -bestrebungen in einer Weise in das Volk bringen, dass das Volk wirklich dadurch gewinnt! Wir wollen das Volk "heranziehen und aus den Schachten der Vergangenheit das Gold des Geistes graben, es in neue Münze schlagen und unter dem Volke circulieren Jassen; aber dann müssen wir es mit dem Einverständnisse, mit der Liebe, mit der Sympathie des Volkes thun. Man kann das Volk nicht mit Gewalt erziehen, man kann ihm Wissen und ■Glauben nicht durch Zwang aufoctroyieren, man muss das Volk langsam zu den höchsten Stufen hinaufführen. (Beifall.) Es handelt sich deshalb in erster Reihe um absolute gegenseitige Toleranz. Ich von meinem Standpunkte verlange, dass ich in meinen heiligsten Gefühlen, wenn etwas vom Zionismus als solchen unternommen wird, nicht verletzt werde, (Beifall) ich verlange Respect vor meiner eigenen religiösen Individualität, natürlich ohne sie einem andern Mitgliede aufzudringen, ich respectiere seine Unabhängigkeit vom Gesetze genau, wie ich wünsche, dass meine Abhängigkeit vom Gesetze respectiert werde. (Bravo, Bravo!) Der Zionismus muss deshalb nach unserer Anschauung nach allen Richtungen hin befriedigen, der Zionismus muss wie wir es hier formuliert haben, nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes anstreben und er befindet sich hiebei auf dem Boden der modernen Gultur, an deren Errungenschaften er festhält. Wir geben nichts auf, was wir geistig gewonnen haben, wir gehen nicht einen Schritt zurück und wollen nicht geistig verarmen, wir glauben umgekehrt uns geistig immer mehr bereichern zu können. Das ist für die eine Partei. — Nun folgt der Nachsatz. — Nun verlangen wir, die auf dem Boden des orthodoxen Judenthums stehen, unsererseits das : der Zionismus unternimmt nichts, was den jüdischen. religiösen Gesetzen widerspricht — (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich glaube kaum, dass ich etwas noch hinzuzufügen habe. Sie haben es so unterstrichen durch ihren Applaus, dass ich es nicht besser empfehlen kann, als Sie