Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 203)
- Language
- German, English, Hebrew
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verbunden ist, und so innig verbunden, dass sie von einander nicht getrennt werden können und dürfen, wenn der Zionismus überhaupt lebenskräftig sein soll. Wenn grosse, kritische, schwere Tage an ein Volk herantreten, so ruft es gewöhnlich seine Toclten wieder herauf; es beschwört die Vergangenheit aus der Gruft, sucht ihr neues Leben einzuhauchen. Man erinnert sich des grossen Mannes, den man bisher verkannte, man liest seine Schriften, man sucht seine Thätigkeit zu ergründen, man errichtet ihm Statuen, Monumente und stellt der Jugend Bilder der Vergangenheit auf. Gestatten Sie mir den Ausdruck: Das ist arisch! Wir beschwören die Todten nicht herauf, weil wir nicht an die Vergangenheit allein glauben, wir glauben vielmehr an den Fortschritt der Zukunft. (Beifall.) Wir sind bekannt als das Volk der Optimisten. Wenn uns jemand nahe tritt oder wehe thut, wenn es uns schlecht geht,, trösten wir uns: Es wird schon besser werden! Denn wir glauben an den Fortschritt der Menschheit, wir blicken nicht zurück auf eine goldene Zeit, die verschwunden ist, der ein ehernes Zeitalter folgt, wir sehen umgekehrt der Zukunft hoffnungsfreudig entgegen, weil wir glauben, dass die Menschheit von den schlechten Tagen der Vergangenheit zu den besseren Tagen der Zukunft regelmässig, wenn auch oftmals gehindert, aber doch unaufhaltsam fortschreitet. Das ist der Sinn unserer messianischen Hoffnung und unserer religiösen Tradition. (Beifall.) Darum können wir uns mit der Cultur der Völker, in deren Mitte wir leben, so vollständig iclentificieren; denn alles, was gross, alles was edel, alles was mächtig in seiner geistigen Erscheinung ist, ist für uns auch religiös. Damit hat sich das Judenthum stets vereinigt und daranT meine Damen und Herren, dürfen wir nicht vergessen! Wir sind das einzige Volk, das kein Mittelalter kennt, wir haben keine Zeit der Verfinsterung mitgemacht. Während die anderen Völker die geistigen Güter von Hellas und Rom haben vergraben und verschütten lassen, haben wir aus dem Gfhetto den Spaten in die Hand genommen, haben für die alten Völker die Güter von Hellas und Rom ausgegraben, sie poliert und in ihrer Schönheit erhalten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Darum sind grosse Männer in Israel auch zu jener Zeit erschienen, wo Dunkelheit und Finsternis, wo Aberglauben und Unwissenheit die Welt beherrschten. In unserer Mitte, wie in der alten Zeit in Aegypten, als überall Finsternis verbreitet war, hat immer Licht geherrscht und soll Licht herrschen. (Beifall.) Wir wollen nicht gestatten, dass die Fackel des Wissens oder die Ueberzeugung des Glaubens einen Augenblick in unserer Mitte ausgelöscht werde. (Erneuerter Beifall.) Wonach sehnt sich unser Volk, wo immer es auch hingetrieben wird, trotz des materiellen Elends, trotz der Verfolgung?