Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 199)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 199 — keine Recriminationen erheben, keine Anklagen, dazu bin ich nicht berufen» Ab-er eine Mahnung will ich aussprechen nach oben und nach unten, eine ernste, eindringliche Mahnung, dass es so nicht weiter gehen kann, dass man von nun an diesen grossen Fragencomplex des jüdischen Cultur- und Geisteslebens nicht mehr mit Resolutionen und Beschlüssen abspeisen kann, sondern mit offenherzigen Thaten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Was der Congress in dieser Richtung thun kann, ist folgendes : In erster Linie ist das eine rein moralische That. Der Congress wird sich dahin aussprechen, dass jeder Jude, der an sein Volksthum glaubt und an der Regeneration mitarbeiten will, nicht nur an der Zeichnung von Bankactien theilnehmen und seinen Sehekel zahlen soll, sondern sich auch bestreben soll, die Geistesschätze seines Volkes kennen zu lernen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Jeder Jude, der offen arbeiten will, soll seine Kinder nicht nur in Versammlungen schicken, wo zionistische Agitationsreden gehalten werden, sondern soll sie auch in Schulen schicken, wo die hebräische Sprache gelehrt wird. (Lebhafter Beilfall und Händeklatschen.) Schon diese moralische Unterstützung des Congresses wird eine grosse, nicht zu unterschätzende That sein. Allein, dabei wird es nicht sein Bewenden haben dürfen. Der Congress wird in diesem Jahre diejenigen Formen schatten müssen, welche entsprechend und geeignet sind, im nächsten Jahre auch positive Arbeit leisten zu können. Es ist schon im Vorjahre von mir unter Zustimmung der Versammlung hervorgehoben worden, dass die vornehmste Aufgabe in dieser Richtung eine erziehliche sein müsse. Es müssen von unserer Seite diejenigen Organisationen und Institutionen geschaffen werden, welche geeignet sind, den Mangel in der Jugenderziehung, welcher in cultureller Richtung vorhanden ist, durch eigene Einrichtungen zu beheben, die Erziehung zu ergänzen. Die Verhältnisse liegen nun einmal heute so, dass wir auf die Schulverhältnisse der einzelnen Länder sowohl, wie auf die internen Erziehungsverhältnisse der jüdischen Gemeinden keinen unmittelbaren Einfluss auszuüben imstande sind. Wenn es auch eine fruchtbare und segensvolle Anregung war, die hier von Seite des Herrn Präsidenten ausgegangen ist, dass unser nächstes Ideal die Eroberung der Cultusgemeinden sein muss, so liegt dieses Ideal vorläufig noch zu ferne, als dass wir die Bearbeitung der culturellen Aufgaben bis auf jenen Zeitpunkt verschieben könnten. Wir müssen ausserhalb der Organisation der Cultusgemeinden, ausserhalb der bestehenden Schulverhältnis-e Formen und Einrichtungen schaffen, weiche jene Institutionen in dieser Richtung ergänzen sollen.