Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 198)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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- 198 — eine Resolution vorlegen, welche es klipp und klar und jedem Zweifel abschliessend, ausspricht, dass die Cultur, welche wir suchen und anstreben, wTeder eine religiöse, noch eine antireligiöse,, sondern eine nationale ist. (Lebhafter Beifall.) Wie denken wir uns nun aber diese nationale Cultur, die wir anstreben? Meinen Sie ja nicht, dass diese Cultur gemacht wird durch Conferenzbeschlüsse, durch Zustimmungskundgebungeny ja sogar durch Gongressbeschlüsse. Der Culturhunger, der in unserer Seele lebt, wird durch solche rein platonische Zustimmungen, wie sie leider bis jetzt die ganze Thätigkeit ausmachten, nicht gesättigt werden. Wenn wir Cultur wollen, suchen wir den Ansatz dazu in einer bestimmten greifbaren- Richtung, dass wir alle sehen sollen, dass auch diesem Bedürfnisse unseres Herzens entsprochen wird* Denn fragt unsere Söhne und unsere Töchter, ob sie sich damit zufrieden geben können, wenn Sie den Schekel zahlen, wenn Sie Actien der Colonialbank zeichnen? Glauben Sie, dass damit genuggeschehen sei? Wird nicht nach alldem noch eine tiefe Leere in. Ihrem Herzen übrig bleiben, wenn Sie sich fragen, wieso sind wir Juden, wieso hängen wir mit diesem historischen Gebilde zusammen? Fragen Sie, warum die Söhne und Töchter anderer Nationalitäten an den Heroen ihres Volkes ihr Herz erfreuen? Ersteht Ihnen nicht in Ihrem Herzen ein tiefes Weh, wenn Sie sich sagen: Wo sind unsere Heroen, unsere Dichter, unsere Helden, die ja auch da waren, die wir aber nicht kennen? Denn, geehrte Damen und Herren, Sie können sich ja mit der Lüge nicht begnügen, dass jene fremden Dichter und Heroen, auch die Ihrigen seien, können sich nicht mit vollem Heizen mittreuen. Sie suchen einen eigenen Inhalt für Ihr eigenes geistiges Leben und diesen Inhalt müssen wir unserem Volke geben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wie können wir denn von unseren Frauen und un>e.er Jugend verlangen, dass sie an unseren Arbeiten thätig theihiehuieii,. wie können wir von unseren Müttern verlangen, dass sie uns ein Geschlecht begeisterter, thatkräftiger, opferfreudiger Jugend erziehen, wie von unseren Frauen, dass sie ihre Männer im opjerschweren Kampfe für das Ideal des jüdischen Volkes ermuthigen und stärken, wie von unseren Mädchen, class sie an der reinen Begeisterung theilnehmen im Kampfe, den wir führen,, wenn sie nur Aeusserüchkeiten und Formen sehen, ein Inhalt ihnen aber nicht gegeben wird? (Lebhafte Zustimmung.) Hier, meine andächtigen Zuhörer (Lebhafte Heiterkeit), meine Verehrten, ich glaube, Sie können bei der Gelegenheit auch andächtig sein (Lebhafter Beifall), ist der Punkt, wo Wandel geschaffen werden muss, wo eine Lücke besteht, die, wenn.wir siejetzt nicht gutmachen, nie mehr gutzumachen sein wird. Ich will