Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 190)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 190 — dafür möglich war. Ich war auf der ganzen Reise mit Herrn Bambus zusammen. Ich kann mich dieser Sache nicht erinnern. (Hört!) Aber da muss ich ganz entschieden gegen Herrn Bambus Einsprache erheben. Er hat gesagt, dass man den Colonisten in Jerusalem keinen Glauben schenken dürfe, weil die Colonisten von den Juden in Jerusalem schlechte Eigenschaften angenommen haben. Da muss ich meine Freunde in den Colonien entschieden in Schutz nehmen gegen die Vorwürfe des Herrn Bambus, ich kann es nicht mitansehen, dass man unsere Pionniere derart beschuldigt und in dieser Weise angreift und bescliimpft. Da lege ich entschiedensten Protest ein gegen diesen Vertreter der praktischen Colonisation. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir wollen zusammengehen und colonisieren und unsere Arbeit wird uns gelingen, wenn wir alle ehrlich sind, wenn wir nicht Intriguen machen wollen, wenn wir nicht arbeiten wollen, um dem Anderen Fallstricke zu legen. Seien wir politische Zionisten, seien wir Colonisations- Zionisten — aber ehrliche. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vors. Vicepräs. Dr. Nordau : Es ist wohl selbstverständlich, dass keinem Delegierten indirect der Vorwurf der Unehrlichkeit gemacht worden ist. Das Wort hat Rabbiner Merzer. (Nach einer Pause:) Da er nicht anwesend ist, kommt der nächste Redner an die Reihe. Del. Bujes : Geehrte Versammlung! Wenn ich es gewagt habe, in dieser hohen Versammlung, wo die Koryphäen der jüdischen Intelligenz tagen, das Wort zu ergreifen, geschieht dies in dem Bewusstsein, dass die Liebe zu unserem Volke jedwede Grenze verwischt und die höchstgestellte Person mit minderbegabten gleichstellt und ihnen dieselben Rechte eingeräumt werden, für das Wohl ihres Stammes miteinander zu wetteifern. Von diesem Standpunkte ausgehend, werde ich um Ihre gütige Nachsicht und Ihre Aufmerksamkeit bitten. Meine Damen und Herren! Unsere Widersacher machen uns den Vorwurf, dass wir einer Utopie nachjagen, was die öffentlich-rechtliche Heimat betrifft. Es sei das eine unausführbare Idee. Gesetzt, das wäre so, so erkläre ich hie mit: Lieber ist eine Utopie vorzuziehen, die Ihre Bestrebungen als ein Ziel, als ein Ideal voraussetzt, als die hässliche Wirklichkeit, ewig verdammt, als Paria der Gesellschaft, als tolerierte Fremdlinge fortzuvegetieren. Das ist der Standpunkt der intelligenten Classe. Aber die Massen unseres Volkes kann man mit abstracten Grundsätzen nicht abspeisen. Die möchten gerne etwas Concretes, etwas Praktisches sehen. Ich komme von Rumänien. In dem Lande, wo Tausende meiner Brüder verkommen, am Rande des Abgrundes stehen, ist für sie jeder Nahrungszweig abgeschnitten, die Schulen sind ihnen verschlossen und sie haben ihr Heil im Zionismus gesucht, damit sie aus dieser rettungslosen Versumpfung befreit werden. Und ich gestehe, dass ich mit fester Zuversicht hiehergekommen bin, um meinen Brüdern frohe Nachricht nachhause zu bringen, dass die Colonisation schnellstens ihren Anfang nehmen wird unter den Auspicien des Centralcomites oder wenigstens, dass dieses Ein wander ungs verbot aufgehoben werden soll. Denn trotz der düsteren Schilderungen des Berichterstatters Mozkin, die er gestern gemacht hat, und zwar diametral zu den Berichten des Herrn Dr. Bodenheimer in seinem Referate über die Colonialbank,' sogar im Falle die Lage so wäre, wie Herr Mozkin sie geschildert hat, möchten viele Familien hingehen und Steine herausreissen und im Schweisse ihres Angesichtes arbeiten, um frei zu arbeiten und aus diesem neuen Aegypten