Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 189)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 189 — Ich hoffe, wir werden dann eine Colonisation gründen, ein Volk erziehen, welches die Pionniere einer zukünftigen unabhängigen Nation sein werden, dass wir nicht nur zum Wohle des Judenthums, sondern auch der Menschheit gewirkt haben werden. (Lebhafter Beifall.) Dr. Schlaposchnikoff (spricht russisch). Rabbiner Rabbirvowltsch (spricht hebräisch). Dr. Ehrenpreis (übersetzend) : Der Redner meint, class seine Ansicht die Ansicht der meisten Gesinnungsgenossen Russlands sei. Er erkennt, dass das Hauptziel des Zionismus die Gründung einer Colonie in Palästina sei; da aber dieses Ziel in der Ferne stehe,' so beantragt er: 1. Bei der Pforte die Aufhebung des Einwanderungsverbotes durchzusetzen. 2. Landankauf zu betreiben. 3. Den jungen Colonisten, die in Palästina geboren sind, forderlich beizustehen. 4. Ein Executivcomite in Constantinopel einzusetzen, welches ein Bindeglied zwischen uns und den türkischen Behörden abgebe. Selbstredend sei die Colonialbank die wichtigste Gründung, weil sie die colonisatorischen Zwecke fördert. Er schliesst damit: Wenn wir vorläufig Klein-Colonisation betreiben, werden wir die Begeisterung fördern und dieselbe nicht mehr schwinden lassen. Dr. Herzl: Ich möchte vorschlagen, diese Anträge dem zu bildenden Colonisations-Ausschusse zu übergeben mit Ausnahme des Antrages, der sich auf die Schaffung eines Executivcomites in Constantinopel bezieht. Vors. Dr. Nordau : Wenn gegen diesen Vorschlag kein Widerspruch erhoben wird, erkläre ich denselben für angenommen. (Zustimmung.) Es sind also die drei ersten Anträge dem Colonisations-Ausschusse zur Berücksichtigung überwiesen, der vierte, betreffend die Ernennung eines in Constantinopel domicilierenden und dort wirkenden Ausschusses, ist abgelehnt. Del. Temkin (gibt die russische Uebersetzung). Del. Dr. Loewe: Geehrte Versammlung! Zuerst möchte ich constatieren, dass ich ein Anhänger der Colonisation bin, dass ich aber unter Colonisation und Einwanderung zwei verschiedene Begriffe verstehen möchte, die wir nicht verwechseln dürfen. Wir müssen und können colonisieren, aber in erster Linie, wie der Commissionsbeschluss sagt, mit denjenigen Juden, die schon heut© in der Türkei ansässig sind, die nicht auf Schleichwegen nach Palästina hineinzubringen sind. Ich habe mich zum Worte gemeldet, um dagegen zu sprechen, was Herr Bambus hier vorgebracht hat. Er sprach besonders gegen dasjenige, was Herr Mozkin gesagt hat. Ich muss wiederholen, dass ich demselben Colonisationsvereine thätig angehöre, dem Herr Bambus angehört. Ich habe leider nur fünf Minuten Zeit, um für Herrn Mozkin zu sprechen. Ich kann daher nicht alles geben. Ich möchte nur sagen, dass Bambus sagt, Mozkin habe dasselbe gesehen, was er gesehen hat. Ich habe damals, als Bambus seine Reise in Palästina machte, auch meine erste Reise dort gemacht und nach meiner Ueberzeugung konnte man in der kurzen Zeit, die ich die Reise machte, nichts sehen, nur äussere Eindrücke, und ich würde mich auch heute, wo ich ein ganzes Jahr in Palästina thätig war, nicht getrauen, ein so abschliessendes Urtheii zu fällen, wie es Herr Bambus gethan hat. (Lebhafter Beifall.) Herr Bambus hat davon gesprochen, dass Beamte gewuchert haben sollen, er habe aber Nachforschungen angestellt, ohne dass der Beweis