Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 185 — noch nicht so lange und wissen nicht, ob die Sorten des Oelbaumes recht sind. Wenn sich diese schlecht bewähren, müssen andere eingesetzt werden. Wer hinübergegangen ist in der Meinung, leichten Boden zu finden, hat sich getäuscht, weil die Idee, in Palästina zu colonisieren. unklar war, und man sich der Schwierigkeiten nicht bewusst war. Man hat von vielen Seiten hervorgehoben, wie viel Geld da hineingesteckt worden ist. Das wissen wir. Aber wir, die Vertreter der Colonisationsvereine, obwohl ich hier nicht als solcher stehe, sondern als Zionist. die wir die praktische Colonisation seit Jahr und Tag betreiben, wissen, dass die Colonisation in allen anderen Ländern dasselbe oder mehr kostet. Selbst da, wo die Colonisation mit staatlicher Hilfe betrieben wird, wo der Staat Geld hergibt und den Beamtenstand liefert, kostet die Colonisation unverhältnismässig mehr. Preussen zum Beispiel hat mit dem Aufgebot von 100 Millionen Mark in Posen Colonisation betrieben. - Und. nun zum Principe der geschäftlichen Colonisation! Man hat das bei der Colonialbank in den Vordergrund gestellt und gesagt, die geschäftliche Colonisation ist wirksamer. Bedenken Sie, wenn Sie Landbauern nach dem wirtschaftlichen Principe colonisieren wollen, müssen Sie für die Familie 30.000 Francs haben, damit die Leute in der Lage sind, Ihnen in 30 Jahren die Vorschüsse zurückzuzahlen. Diese Geldmittel haben wir nicht gehabt und wird die Colonialbank -auch nicht haben. Aber ein Zweig der Colonisation ist uns und allen offen mit geringerem Capital, das ist die industrielle Colonisation und die wird die Aufgabe sein,- die der Colonialbank zufallen wird. Diese industrielle Colonisation ist auch die einzige Colonisation, die in Wirklichkeit für die grossen Massen der in Palästina schon befindlichen Juden etwas Wirksames erreichen kann. Unter Umständen können Sie Hunderte von Juden hinausführen auf das Land und Bauern werden lassen, aber nicht die grosse Mehrzahl. Dazu fehlt die physische Kraft für die jetzige Generation. Für diese ist ein wirksames Mittel die Errichtung von Fabriken, die Schaffung selbständiger Existenzen und die Wachrufung der Privatinitiative. Wenn wir westeuropäische Juden so denken würden, würden uns viel weniger Schwierigkeiten gemacht werden. So lange wir nicht die Privatinitiative besitzen, um selbst hinüberzugehen in grösserer Zahl, um Fabriken und eine Industrie zu schaffen und den Leuten ausser den nothwendigen Geldern auch die Intelligenz, insbesondere die technische Intelligenz zu geben, die den Leuten drüben fehlt, eher wird die Thätigkeit der Colonialbank oder eines anderen Institutes oder eines grossen Vereines, der von oben herab gezwungen ist, zu colonisieren und Beamte hinzustellen, zu keinem durchgreifenden Resultate führen. Meine Meinung ist ganz kurz resümiert: die Schilderung, die wir empfangen haben, war einseitig. . Die Schlüsse, die aus einer solchen Schilderung gezogen wurden, können daher nicht zutreffend sein. Wer die Colonisation richtig beurtheilen will, muss in erster Linie ins Auge fassen, dass dieselbe sich im Stadium der Experimente befindet, dass sie blos ein Versuch ist und dass jeder kleine Erfolg, der dort errungen wird, sich umsetzt in einen ausserordentlich grossen Erfolg und in eine festgefügte Erfahrung für die zukünftige Colonisation. Wir müssen, nachdem wir 16 Jahre ausschliesslich landwirtschaftliche Colonisation getrieben haben, die industrielle und die gewerbliche Colonisation in den Vordergrund stellen, und erst wenn wir beide combinieren und wenn die Privatindustrie der Thätigkeit der Institute nachhelfen wird, erst dann wird die Colonisation vollkommen fruchtbringend sein und ■wird die Erfolge zeitigen, die wir auf die Dauer von ihr beanspruchen müssen. (Lebhafter Beifall, Widerspruch und Zischen.)