Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 121)
- Language
- German, English, Hebrew
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vorher verstanden haben, sondern in wirklich grossem Sinne auflassen und allgemeine Ctiltur, wenn auch in beschränkten Dosen, aufnehmen, ist für Jerusalem von ungeheuer grosser Bedeutung. Ich war darum hoch erfreut, in dieser Bibliothek eine grosse Anzahl von Juden beim Lesen von Zeitungen und Zeitschriften vorzufinden; Juden, die sonst ganz genau noch nach dem alten System leben. Die jetzige Bibliothek von Jerusalem umfasst bislang 13.000 bis 14.000 Bände, fast ausschliesslich, wie gesagt, von Doctor Chasanowitsch. Aber es ist nach meiner Ansicht eine Ehrenaufgabe unter allen Umständen, wie man sich auch sonst gegenüber den Fragen der Colonisation verhalten mag, diese ihrem. Inhalte nach grossartige7 Bibliothek zu vergrössern und ihr ein Heim zu schaffen. Ich bin überzeugt, dass entweder vom Gongress aus oder privatim die Bestrebung sich herausfinden wird, ein derartiges Heim für diese Bibliothek in der nächsten Zeit herzustellen (Lebhafter Beifall), das nicht mit grossen Kosten verbunden sein dürfte. Die Bibliothek ist zugleich der Versammlungsort der Jerusalemer Juden und jeden Sonnabend werden Vorträge im Hebräischen gehalten. Ich hatte dabei Gelegenheit, zu beobachten, in welchem Grade man sich zum grossen Theile über complicierte Gegenstände der Gegenwart in hebräischer Sprache unterhalten kann; allerdings habe ich auch hier dazu Gelegenheit gehabt. Dort aber konnte ich dies stundenlang beobachten, und ich kann sagen, dass. die Debatten in hebräischer Sprache keinen gekünstelten Eindruck gemacht haben, dass man umgekehrt den Eindruck hatte, dass muri sehr wohl über einen Gegenstand der Jetztzeit oder der Geschichte einen hebräischen Vortrag ohne Störung halten kann. (Beifall und Händeklatschen.) Diese Jerusalemer Bibliothek ist selbstverständlich auch ein Ansporn für die Golonie, wenngleich sie von anderen Ortschaften nicht benützt werden darf. Ich kann nicht vollkommen das innere Leben der Golonie schildern, nur weise ich darauf hin, dass es in den meisten Colonien eine >Commission gibt, die alle Angelegenheiten verwaltet, und es war für mich einer der erfreulichsten Umstände, dass es in keiner Golonie einen Gendarm gab. Es gibt ganze Dörfer, in welchen es nicht einen einzigen Polizisten gibt (Beifall und Händeklatschen) und die Menschen verzehren dort keineswegs einander. (Heiterkeit.) Alle ihre Streitfragen oder ihre Vorkommnisse pflegen sie zum grössten Theile untereinander zu schlichten mit Hinzuziehung des \Vadi oder sonstiger Personen. Vor der Regierung sind sie allerdings vertreten durch einen Muchtar, der aber in der Golonie nichts zu sagen hat. Er ist kein Polizist, sondern eine Person, die officielle Angelegenheiten, wie Steuern und dergleichen, zu regeln hat.