Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 120)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 120 — ganzen Gesellschaft ein. Einzelne Golonistenfamilien merkwürdigen Charakters sind zu grosser Macht gelangt und es hat sich ein sonderbares schmutziges Streberthum herausgebildet . . . Ich habe nicht die Absicht, hier irgendwelche Personen zu compromittieren, aber dieses unerhörte System der Protection, das viel schlimmeren Ursachen entspringt, muss gegeisselt und hinweggefegt werden. Denn es handelt sich nick bloss darum, class da die Lage der Golonisten verschieden ist, sondern um unsere Ehre. (Lebhafter Beifall.) Ich verzichte darauf, weitere Ausführungen zu machen, ich verzichte deswegen, weil ick nickt, den Congress in seiner Stimmung stören möchte, weil ich nicht den Congress in eine ganz andere Laune versetzen möchte. — So wirkten einerseits die Unterstützungen, die mit Entwürdigung verbunden sind, andererseits die Unsicherheit, das herrschende Administrationssystem deprimierend und verbitternd. Bei den meisten, die doch unsere künftigen Helden sein sollen, eine gewisse psychische Aengstlichkeit vor Drohungen, vor verschiedenen Möglichkeiten. Selbst bei der städtischen Bevölkerung hat sich deswegen nicht die zu erwartende Achtung eingestellt. Die Administration hat den Ruf der Golonisten geschädigt. Am Anfang, meine Herren, war darum mehr Idealismus. Jetzt sind last alle in Abhängigkeit, nicht von Baron Rothschild, aber von der Administration, auck die unabhängigen Colonisten. Denn, wie ich Ihnen schon gesagt habe, die meisten Colonisten beschäftigen sich mit Weinbau und der einzige Weintraubenabsatz ist beim Baron Rothschild. Folglich haben gegenwärtig auch die unabhängigen Colonisten sich ausserordentlich furchtsam und vorsichtig zu benehmen. Wenn ich sage, dass Idealismus in einem solchen Grade nicht vorhanden ist, wie im Anfang der Colonisation, so muss ich noch hinzufügen, dass die Intelligenz in sehr hohem Grade vorhanden ist. In den meisten Golonien gibt es Bibliotheken. Eine gibt es, die das Jüdische pflegt, das ist die Jafiaer Bibliothek. Ich komme bei dieser Gelegenheit noch auf eine. andere Bibliothek zu sprechen, das ist die Jerusalemer. Als ich in Jerusalem war, hielt ich es für meine Pflicht, auch hier die Bibliothek genau zu besichtigen. Wie die meisten von Ihnen wissen, ist die Bibliothek in Jerusalem zum allergrössten Theile eine Schenkung des Herrn Dr. Ghasanowitsch, (Lebhafter Beifall und Händeklatschen) und bildet, meine Herren, eine nicht zu unterschätzende Institution in Jerusalem, vielleicht die wichtigste. Der Umstand, dass auch Frommgläubige, orthodoxe Juden aus der Masse in diese Bibliothek kommen, dass sie zum erstenmale irgend eine Berührung mit Cultur erhalten, dass sie gleichzeitig die jüdische Vergangenheit, aber nicht in dem Sinne, wie sie es