Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 115)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 115 — Die Verth eilung ist also durchaus nicht gleich, so auch in Petha-Tikwa, wo es geradezu eine zusammengewürfelte Gesellschaft gibt, ähnlich in Rischon-Lezion u. s. w. Und darüber darf man sich auch nicht wundern. Alle diese Colonien sind ja zum grössten Theile von Gesellschaften gegründet worden, die aus verschiedenen Besitztheilhabern bestanden haben., Auf dem reinsten Grundsatze des Individualismus, keineswegs auf dem Grundsatze der Genossenschaft, sind demnach alle diese Colonien gegründet. Es gibt eine einzige Golonie, die von all diesen eine gewisse Ausnahme bildet, das ist nämlich die Golonie Katra, wo allerdings der Besitz ziemlich gleichartig ist. Sie wissen wahrscheinlich, dass Katra überhaupt eine romantische Vergangenheit hat. Es waren ja Studenten und sonstige Akademiker, die ihre Studien aufgegeben und sich nach Palästina gewendet hatten, um dort ein Golonistenleben zu beginnen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Schon vor 16 Jahren! Ich bin nicht in der Lage, auf alle Einzelheiten der Leiden dieser Golonisten einzugehen. Ich müsste darüber einen speciellen Vortrag halten. Vielleicht dürfte es nicht uninteressant für spätere Gongresse gerade in der Zukunft sein, diese Vergangenheit kennen zu lernen. Denn, meine Damen und LIerren. die erste Golonisation Palästinas gleicht in gewisser Beziehung einem Kriegszustände. Darüber dürfen wir uns nicht täuschen. Leiden mussten dort durchgemacht werden, die vielleicht schlimmer waren, als selbst in einem Kriege. Man musste sich dort grossen Gefahren aussetzen und einem Hungerleben und Entbehrungen an Cultur, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Und das ist einer der Vortheile eines grossen Theiles der Golonisten von Palästina, dass sie dieses wohl empfunden haben, class bei ihnen die Empfindung gelebt hat, dass sie die Befreiungsthat beginnen. Es war auch für die Katrenser, als sie nach Palästina giengen, nicht etwa der Plan vorhanden, auch eine Golonie zu gründen, sondern sie betrachteten das als einen Theil der Befreiung des jüdischen Volkes. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Auch bis zur Gegenwart sind dort die Besitze daher nicht sehr verschieden. Natürlich haben sie mit der Zeit sich etwas geändert. Da die Besitzthümer in den Golonien verschieden sind, sind auch die Einnahmen nicht gleichmässig, von einigen 100 Franken bis zu 13- und 14.000 Franken sich erhebend. Wiederum ist in Katra keine so grosse Differenz natürlich, da dort durchschnittlich ein Golonist etwa 2000 Frcs. jährlich verdient. 8*