Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898 · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
Date
1898-01-01
Page
Seite 116 (sequence 116)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3476254-3476258--0666-3476800
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 116 — Keine Golonie darf sich übrigens rühmen, als ganzes vollständig sichergestellt zu sein. Die Gründe habe ich schon vorher erörtert. Ausser Rothschild betheiligen sich verschiedene Vereine an der Subventionierung der Colonien, in ziemlich grossem Masse die Odessaer Gesellschaft aber jetzt in noch grösserem und in unverhältnismässig grösserem Masse die Jewish Colonisation Association. Von dieser Gesellschaft sind nach Angaben, die mir von einer glaubwürdigen Quelle zur Verfügung gestellt worden sind, für Ghedera, Rechowoth, Waad-el-Chanin, Katra, Mischmar und Mikweh etwa 900.000 Frcs. zur Verfügung gestellt worden, davon allein zur Installierung der vorhandenen' 13 Familien und Golonisierung neuer 12 Familien in Mischmar 250.000 Frcs., zum Häuserbau in der winzigen Golonie Waad-el-Ghanin 200.000 Frcs. und desgleichen in Chedera 220.000 Frcs. Diese Gesellschaft zeichnet sich vor der Rothschild'schen Administration insoferne aus, dass sie clirect Anlehen und keine Unterstützung gewährt. Die Ländereien sind auch hypothekarisch verpflichtet, und im Laufe von 20 Jahren müssen die Gelder zurückerstattet werden. Einige Colonien befinden sich ,im Uebergangsstadium, so z. B. Sichron und Rischon, andere dagegen sind noch ganz so alt, wie im Anfang. So machen R.osch-Pina, Ekron, Petha-Tikwah u. a., abgesehen von ihrem Aeusseren, einen sehr traurigen Eindruck. Ferner kann ich noch von traurigen Dingen berichten. Alle Colonien sind gefährdet durch die Phylloxera, die bereits in schrecklicher Weise in Sichron wüthet Sie wissen, was diese schreckliche Weinkrankheit in Frankreich angerichtet hat, dass sie ungeheuren Schaden den Weinpflanzungen verursacht, dass sie eigentlich die Weinpflanzungen total vernichtet. Im Laufe der letzten 2 Jahre wurden daher die Weinpflanzungen geändert. Anstatt der französischen Rebe werden jetzt amerikanische Reben gepflanzt. So herrscht jetzt überall in allen Colonien eine gewisse Unsicherheit, ein Missbehagen, das bei den Golonisten häufig Pessimismus oder Apathie bewirkt. In gewisser Beziehung, aber nur in gewisser Beziehung, bildet eine Ausnahme die wahrhaft ländliche Ackerbau-Golonie Kastinijeh, die wegen des Getreidebaues eine etwas sichere Existenz hat. (Lebhafter Beifall.) Ich will damit nicht gesagt haben, dass diese Colonie bereits ihrem Ziele vollständig nahegerückt ist. Das Ganze ist bis jetzt zum allergrössten Theile ein Wohlfl tätigkeitss}^stem. Ich weiss, dass ich mit diesem Ausspruche sehr vielen nahe treten werde. Die Odessaer Gesellschaft und noch andere derartige Vereine1 werden die Behauptung aufstellen, dass sie durchaus nichts

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.