Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 114)
- Language
- German, English, Hebrew
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- 114 - Das war das Erfreulichste an den Colonien, wenigstens blieben diese Eindrücke, um mich präciser auszudrücken, unangetastet. Anders war es, als ich nach den anderen Verhältnissen zu forschen begann. Die nächstliegende Frage war: Wie steht es um den materiellen Zustand der Colonien, ihre Aussichten, ihre Sicherheit? Ausser den ungefähr 300 Arbeiterfamilien gibt es in den 18 bewohnten Colonien 600 Colonistenfamilien mit 2.838 Seelen. Von diesen sind 390 Familien mit rund 1600 Seelen, unter der Leitung der Rothschild'schen Administration, 8 Colonien, Sichron-Jakob, Schewejah, Em-el-Djemel, Rosch-Pina, Jessod-Hamaaleh, Em-Setun, Mtella und Ekron) vollständig und 2 (Petha-Tikwah und Rischon- Lezion) theilweise. Nur ein geringer Bruchtheil ist bislang in der Lage, ohne directe Monatsstütze auszukommen. So erhalten viele Familien bereits 15 Jahre jahraus, jahrein ihre Subventionen. Es ist bekannt, dass die Colonisten anfangs fast ausnahmslos sich auf den Ackerbau geworfen und nur allmählich zum Weinbau übergegangen sind. Gegenwärtig allerdings beschäftigt sich der allergrösste Theil der Colonisten mit Weinzucht oder mit Baumpflanzungen (Oliven, Mandeln, Esrogim, Orangen etc.), während nur ein kleiner Theil Ackerbau treibt, so vollständig in Kastinie und Artouf, theilweise in Katra, Chedera u. a. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, dass gegenwärtig die ganze Zukunft der Colonien in materieller Hinsicht auf dem Spiele steht. Wird der Wein sich den Weltmarkt erobern? Die gewaltigen Weinkeller von Rischon- Lezion und Sichron-Jakob sind voll, aber der Wein hat keinen Absatz. Noch nicht 20 Percent der im Vorjahre producierten Weinquantität ist verkauft worden. Wenn darin im Laufe kurzer Zeit keine Aenderung eintreten sollte, so droht den Colonien eine grosse Gefahr materieller Natur, die Weinpflanzungen würden dann wertlos werden, die aufgewendete Mühe nutzlos, grosse Hoffnungen zerstört werden. Auch diejenigen Colonisten, die in der letzten Zeit auf Unterstützungen verzichten konnten, wie z. B. diejenigen von Katra, würden unter solchen Umständen vom neuen in eine vollkommen unsichere Lage gerathen. Was den Besitz anbetrifft, so ist derselbe sehr verschiedenartig. Diejenigen, welche von einer gewissen Gleichheit unter den Colonisten sich Vorstellungen inachen, dürften in Palästina recht arg enttäuscht werden. Es gibt z. B. in Mischmar Besitze zwischen 2 und 15 Hektar, Weinpflanzungen von 1j2 bis 1 Hektar. Das ist allerdings in einer derjenigen Colonien, die nicht grosse Unterschiede aufzuweisen haben. In Sichron, allerdings einer Colonie, die von der Administration völlig verwaltet wird, sind gewöhnlich die Weinpflanzungen 5 Hektar, in Rechowoth gibt es Besitz von 1—87 Hektar, im Durchschnitte wären "as 8V2 Hektar, von 1 bis 11 Hektar verpflanzt.