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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1898-01-01 · 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898 · p. Seite 109

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
Date
1898-01-01
Page
Seite 109 (sequence 109)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 109 — mildern. Krankenhäuser und Schulen werden von der Alliance Israelite, den Rothschilds u. a. gegründet, Häuser werden von verschiedenen Personen, so auch, von Montefiore, für billige oder freie Wohnungen gebaut, aber alle Anstalten tragen den Stempel der Wohlthätigkeit und berühren kaum die Oberfläche. Der Mangel einer ökonomischen Grundlage wird nicht abgeschafft. Und dazu kommt noch ein anderer wichtiger Umstand, der das ganze jüdischer Leben in Jerusalem vergiftet. Ich meine die Zerrissenheit und Zerspaltung, die unendlichen Intriguen. Da gibt es nicht blos aschkenasische und sephardische Juden, sondern solche nach Ländern, Provinzen, Gouvernements. Dank diesen gesonderten Verwaltungen schmelzen die zu vertheilenden Gaben arg zusammen, nachdem sie schon theilweise an den Orten der Sammlungen in unverhältnismässiger Weise gekürzt worden. Der Kampf ums Brot schafft specielle Leidenschaften, hetzt die Kolelim gegeneinander, erweckt heuchlerischen Fanatismus. Auch der tief eingewurzelte Hass der Kolelimführer gegen die Colonisation und Colonisten entspringt unzweifelhaft solchen Ursachen. In diesem Kampl hat der Fanatismus oft die hässlichsten Mittel angewendet, lügenhafte Pamphlete verbreitet und selbst zur Polizei gegriffen. Nur die Angst vor der Gesammtjudenheit bändigt sie oft. Aber was haben diese Elemente mit den hungernden Volksmassen gemein? Eine compacte Masse bilden demnach die Jerusalemer Juden nicht. Das Ghetto hat sie zusammengewürfelt und eine buntscheckige Menge erzeugt. Wir lesen in der Mannigfaltigkeit der Anomalien, die da hervortreten, unsere Geschichte und unsere Leiden. Wer ein Bild des gesammten jüdischen Volkes, von seiner Zerklüftung und Verstümmelung bekommen will, der suche alle russisch-polnischen, galizischen, österreichischen, ungarischen, holländischen, westeuropäischen, rumänischen, grusinischen, jemenitischen, persischen, bucharischen Juden auf, und dazu noch die spagnolischen. Letztere interessierten mich in erhöhtem Masse, weil ich mich immerwährend grosser Namen erinnerte. Das sind die Nachkommen der Jehuda Halewi, Gabirol, Maimonides. Und was ist ihnen geblieben? Kaum eine Spur jenes Geistes, jener Lebendigkeit und Befähigung. Die spagnolischen Juden kamen mir wie verzauberte Prinzen vor, die den Dornröschenschlaf durchmachen. Nur ihre Grandezza, ihre Gemessenheit und Vornehmheit, die lebhaft von dem Wesen des aschkenasischen Juden absticht, erinnert an das ehemalige Temperament, an ein grossangelegtes Leben. Und alle diese Juden zusammen bilden eine furchtbare Anklage gegen die Verfolgungen seitens aller Völker und dürften den denkenden und fühlenden Nichtjuden tieftraurig stimmen: so sieht das Werk seiner Hände aus. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

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