Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 105)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 105 - hunderttausende auf Schlachtfeldern und in Befreiungskämpfen gefallen, nachdem die Brutalität der Römer Palästina von den Juden gesäubert. Auch nach dem Falle Roms konnten die Juden nur mit Schmerzen ihres Landes, ihrer Städte, ihrer Berge gedenken. „Aus dem Heimweh quoll ihre Poesie" — und das war echte Volkspoesie. Einzelnen gelang es doch, in das Land ihrer Sehnsucht zu dringen. Aber alle Kämpfe und Umwälzungen, welche das vielumstrittene Land hervorgerufen, übten vor allem ihre Wirkung auf die Juden aus. Unzählige Male wurden sie hingeschlachtet, fielen als Opfer ihrer Sehnsucht. Unter der türkischen Herrschaft beginnt eine regelrechte Niederlassung der Juden in Palästina, obgleich es auch da nicht an Verfolgungen gefehlt. Vor etwa 700 Jahren suchten 300 Rabbiner, welche aus Frankreich und England kamen, die jüdische Gemeinde zu stärken, und Nachmonides erneuerte die zerstörte Gemeinde von Jerusalem. Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien,-wanderte ein Theil derselben nach Jerusalem, während gleichzeitig etwa eine jüdische Gemeinde in Saffed gegründet. Vor mehr als 300 Jahren trat eine 'Scheidung zwischen den sephardischen und aschkenasisehen Juden hervor. Die asehkenasische Gemeinde wurde am Anfange des 17. Jahrhunderts verfolgt und vernichtet, im Jahre 1690 von R. Jehuda Ghossid, dessen Name sagenumwoben ist, wieder erneuert, und war nachher von neuem dem Verfalle nahe. Erst seit 1812 findet beständige Einwanderung aschkenasischer Juden statt und erleidet eine Störung mit dem Beginne der Masseneinwanderung. Im Laufe dieses Jahrhunderts wächst auch die jüdische Bevölkerung von Tiberias, Hebron, Saffed u. s. w. und erweckt das Interesse europäischer Juden. Es beginnt eine R.eihe von Wohlthätigkeitsgründungen, die Armut und die Bettelei werden sanetioniert. Und mit dein Wachsthum der Bevölkerung wächst auch gleichzeitig der Fanatismus, die Heuchelei und Intriguensucht. Im Jahre 1856 wird der erste kühne Versuch gemacht. Cultur in Jerusalem hineinzutragen; eine europäische Schule zur Erziehung von Knaben, die Löwelschule, wird gegründet. Der Idee nach, wenn auch noch verfehlt, kommt eine neue Wendung im Jahre 1870 für die Gesammtjudenheit Palästinas durch die Gründung von Mikweh-Israel, der ersten jüdischen Ackerbauschule, von Cremieux enthusiastisch aufgenommen. Aber, eine wirkliche Umwälzung bedeutet für die Jerusalemer Juden der Beginn der Golonisation. Wie von einer inneren Revolution werden die palästinensischen Juden aufgerüttelt, und ein Sturm der Entrüstung erhebt sich ob der Umwertung aller Werte. Während jedoch die Führer und Leiter die neue Einwanderung mit fanatischem Hass verfolgt, den hauptsächlich wohl auch materielle Interessen eingaben, beginnt in den unteren Volksschichten, Dank der Thätigkeit intelligenter Zionsfreunde, eine