Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 88)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 88 — keit des Einen Und der der Andern kein Unterschied gemacht werden müsse. Um nun endlich das Programm unserer Bewegung zu formulieren, so wiederhole ich nochmals, dass wir 2 Zwecke verfolgen: 1. den Zweck, die jüdische Nation als solche aus der Lethargie zu neuem Leben wach zu rufen und 2. einen größtmöglichen Theil unseres verkommenden Proletariats einem menschenwürdigen Dasein zuzuführen. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir das vorjährige Baseler Programm einhalten, und zwar: 1. Alles, was in unseren Kräften steht, aufbieten, um für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu beschaffen. 2. Wollen wir durch Gründung einer Nationalbank die Colonisation in Palästina in viel grösserem Massstabe fördern und vermitteln, als es bis jetzt geschehen ist und uns durchaus nicht damit begnügen, aus den Juden einige tausend Bauern zu machen; wir wollen vielmehr in Palästina industrielle Betriebe jeglicher Art fördern und die jüdische Vielseitigkeit nach jeder Pachtung hin culturell entfalten. Mit dem gar zu langsamen „immer langsam voran!" kommen wir nicht vorwärts. Im Verlaufe der 16 Jahre haben wir mit dem Weinbau experimentiert, der gelang. Sollten wir nun jetzt ebenso lange experimentieren, ob die Gerste oder der Weizen in Palästina gedeiht und ob die Seidenzueht oder das Zuckerrohr — so kämen wir aus dem Experimentieren nicht heraus. Wir zweifeln nämlich nicht im geringsten, dass die Bibel die Wahrheit sprach, als sie sagte i „Palästina sei ein Land, wo Milch und Honig fiiesst." Nur Arbeit, ehrliche, angestrengte Arbeit muss uns zu Hilfe kommen, um das verwahrloste Land zum Aufblühen zu bringen, und die Culturmittel, die uns jetzt zu Gebote stehen, vermögen Sandwüsten in blühende Gärten zu verwandeln — wofür die Russen in Turkestan das beste Beispiel geliefert haben. (Lebhafter Beifall.) Selbstverständlich muss die Colonisation im grossen Stile mit der grössten Umsicht begonnen werden, und eine speciell zu ernennende Commission von tüchtigen Fachkennern das Land auf seine Ertragsfähigkeit nach jeder Sichtung hin prüfen» Auch dürfen wir mit dem ferneren Colonisieren nicht eher beginnen, bis wir uns nicht den Boden, auf welchem wir uns einrichten wollen, öffentlich-rechtlich gesichert haben. Uebrigens kann ja vorläufig, bei dem streng beobachteten Einwanderungsverbot, das in ganzer Kraft besteht, von einem Colonisieren mit neuen Juden nicht die Rede sein, höchstens von einem Einschmuggeln derselben. Schmuggeln aber wollen wir nicht; wir wollen uns nicht als Contrebandisten einschleichen, sondern die Gewissheit haben, dass wir uns für immer einrichten und ein Heim sichern können.